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Protest im Wendland: "Eins, zwei, drei, los!" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
Protest im #Wendland: "Eins, zwei, drei, los!" http://bit.ly/bIDWv3 #CastorCastor Schottern - Atomausstieg bleibt Handarbeit
Im November 2010 ins Wendland: Den Castor stoppen! Auf einmal macht es Klick und es geht los. Der Widerstand gegen Atommülltransporte ins Wendland ist so ein Kristallisationspunkt: hier wird Energiepolitik verhandelt, der Streit um ein anderes, besseres Leben ausgetragen. Hier seid Ihr alle gefragt: Wir wenden uns an die Menschen, die schon seit vielen Jahren im Widerstand gegen Castortransporte aktiv sind; natürlich auch an die vielen Neuen, die in den letzten Jahren ihr Nein! zur Atomenergie auf die Straße getragen haben; wir wenden uns an diejenigen, die massenhaft gegen den Sozialraub der Regierung protestierten, und die erleben mussten, wie ohne Wimpernzucken darüber hinweggegangen wurde; wir wenden uns an die Zehntausende, die bundesweit entschlossen etliche Naziaufmärsche stoppten; wir wenden uns an die Leute in Dörfern, in kleineren und größeren Städten, die nicht bereit sind, angesichts der herrschenden Atom-Politik die Hände in den Schoß zu legen: Gemeinsam mit Euch, zusammen mit Hunderten, Tausenden von Menschen, wollen wir in der Aktion Castor Schottern! Steine aus dem Gleisbett räumen, wenn der nächste Transport mit Castoren ins Wendland rollt. Damit die guten Argumente gegen die Nutzung der Atomenergie gesellschaftlich wirksam werden, müssen wir zuweilen in mühevoller Handarbeit intervenieren. Die Atompolitik schafft Fakten. Auch wir schaffen Fakten: wir machen ein Loch. Arroganz der Macht: die machen einfach weiter so! So, als wäre nichts gewesen, soll im Herbst wieder hochradioaktiver Müll nach Gorleben verbracht werden. Tausende von Menschen haben ihr Nein! zu Atomkraft an vielen Orten öffentlich sichtbar gemacht. Ungeachtet der großen Demonstrationen, einer riesigen Menschenkette, dem Trecker-Treck und über dreißig Jahren aktivem Widerstand: das "normale" Geschäft mit dieser menschengefährdenden Technologie geht einfach weiter! Viele erstaunt das nicht wirklich. Vielmehr entspricht es häufig gemachter Erfahrung, dass Appelle an die da oben wenig ausrichten - sind die doch treibende Räder in einem System, in dem Wachstum und Profit das gesellschaftliche Geschehen bestimmen. Die Interessen der Menschen treten in den Hintergrund. Dabei sind die doch so offensichtlich: keine Technik ist zu hundert Prozent beherrschbar; bei der Risikotechnik Atomenergie ist bekannt, wie immens die Gefahren für Mensch und Umwelt in alle Zukunft sind. Die Fiktion einer vermeintlich sauberen Atomtechnologie musste die großflächige Umweltzerstörung durch die Uranabbauminen (vor allem in den Ländern des globalen Südens) schon immer ignorieren. Historisch und aktuell sind die Entwicklung von Atomreaktoren und Atombomben eng miteinander verknüpft. In allen Staaten dieser Erde ist das Problem der langfristigen Lagerung des hochgiftigen Atommülls ungelöst. In den Atommüll-Deponien Asse und Morsleben ist die radioaktive Verseuchung des Grundwassers auf lange Sicht kaum noch aufzuhalten. Die Asse hat es an den Tag gebracht: es gibt keine Lösung für die atomaren Hinterlassenschaften, und es kann keine geben. Trotz alledem heißt es: Weiter so! Trotz alledem werden Laufzeitverlängerungen für AKW diskutiert. Trotz alledem soll der Endlagerstandort Gorleben weiter ausgebaut werden - ungeachtet aller wissenschaftlichen Zweifel an der Eignung dieses Standorts. Da kommt ein Gefühl von Ohnmacht auf - aber es macht auch wütend und empört.10.11.2010: »Scheiß-Einsatz« im Wendland (Tageszeitung Neues Deutschland)
»Kein Polizist fährt gerne zum Einsatz ins Wendland«, sagt Jens-Peter Schultz, Vorsitzender des Direktionsverbandes Lüneburg der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Die Kollegen hätten Angst vor Verletzungen und »würden lieber ihren normalen Job machen«. Schultz weiß, wovon er spricht: Das Thema Atomkraft begleitet den 53-Jährigen »seit Dienstbeginn«. Er war bei den großen Schlachten der 70er Jahre – Brokdorf, Grohnde, Gorleben – im Einsatz. Der Sozialdemokrat ist Personalratsvizechef der Polizei Lüneburg und zudem Ortsbürgermeister des Stadtteils Ochtmissen. Mitunter fährt der Castor, je nach gewählter Strecke, in nur 50 Meter Entfernung an seinem Haus vorbei. »Das ist schon ein mulmiges Gefühl«, sagt Schultz über diese Naherfahrung mit den hoch radioaktiven Hinterlassenschaften des Atomzeitalters. »51 Wochen im Jahr sind wir für den Bürger im Dienst, eine Woche lang müssen wir diesen, Verzeihung, Scheiß-Einsatz bewältigen«, ärgert sich der Gewerkschaftsfunktionär. Dabei gebe es nach seiner Erfahrung »unter uns Polizisten genau so viele Atomkraftgegner wie in der Gesamtbevölkerung, die überwiegende Mehrheit ist dagegen«. Zwar sähen die Kollegen oft militaristisch aus, »doch in jedem Kampfanzug steckt ein Mensch«. Und der werde von der Politik verheizt. Motto: »Liebe Polizisten, bitte löffelt die Suppe aus, die wir euch eingebrockt haben.« Die Belastung sei riesengroß: Fußball, S21, Nazidemos (»Es ist für uns unerträglich, das rechte Gesocks beschützen zu müssen«) – und jetzt wieder der Castor: Die Touren quer durch die Republik schlauchen. Drei Stunden Bereitschaftsdienst würden indes nur als eine Überstunde vergütet. Und: »Wir haben, dem Spardiktat sei dank, schlicht zu wenig Leute.« Die Kehrseite der Medaille: Überstunden auch in den Polizeiwachen der Republik. »Die Kollegen arbeiten dort in Zwölf-Stunden-Schichten, um den Personalausfall auszugleichen«, berichtet Schultz. »Denn die Straftäter machen ja auch keinen Feierabend.« Und da sind auch diese Messungen von Greenpeace, denen zu Folge der Castor weitaus stärker strahle als bisher behauptet. Die müsse man sehr ernst nehmen, sagt Schultz. »Die Experten sagen, uns könne nicht viel passieren«, berichtet der Polizist. »Aber wie können wir wissen, ob das, was uns heute gesagt wird, auch morgen noch richtig ist?« Schon fordern die Castor-Gegner, Polizisten sollten sich krank schreiben lassen, allein schon um keinen Raubbau an ihrer Gesundheit zu betreiben. Schultz ist skeptisch: Die Zahl der Kollegen, die sich vor oder während des Castor-Einsatzes krank meldeten, lasse »sich an den Fingern einer Hand abzählen«. Einen gelben Schein einreichen würde man »höchstens bei Fieber oder einer schweren Verletzung«. Das sei kein Ausdruck von Korpsgeist: »Es ist wie beim Fußball, da steht man auch als Mannschaft auf dem Platz und keiner lässt die anderen während des Spiels im Stich.« Und die Übergriffe: der am Boden liegende Demonstrant, der auf seinen Kopf einprügelnde Uniformierte beispielsweise? »Das sind keine schönen Bilder«, räumt Schultz ein. Und er will diese Gewalt keineswegs rechtfertigen. Aber: »Versuchen Sie sich das doch einfach mal vorzustellen: 20 bis 24 Stunden Dauereinsatz, man friert, man ist übermüdet, man hat Hunger, man will einfach nur nach Hause – da sinkt die Reizschwelle.« In solch einer Situation könne ein kleiner Funken zu einem Feuer werden. Auch er habe ja oft genug in der ersten Reihe gestanden und sei massiv provoziert worden. »Da muss man aufpassen, dass einem das Messer in der Tasche nicht aufklappt.« Generell jedoch setzte die Polizei viel stärker auf Deeskalation als früher, sagt der alte Kämpe. Mit seiner »Wir werden ver- heizt!«-Kritik steht Schultz nicht allein. Sowohl die im Deutschen Beamtenbund organisierte DPolG als auch die zum DGB gehörende Gewerkschaft der Polizei hauen ordentlich auf die Pauke. Grundtenor: Die Polizei sei überlastet und werde zum Sündenbock gemacht. Das Problem Castor müsse politisch gelöst werden. Zahlen & Fakten * 11836 Landespolizisten * 8156 Bundespolizisten * 131 verletzte Polizisten * 950 verletzte Demonstranten * 1316 Ingewahrsamnahmen * 306 Platzverweise * 172 Strafverfahren * über 50 000 Demonstranten * 300 Autonome * 4000 bis 5000 »eventorientierte« Demonstranten * 117 sichergestellte Traktorentweet von castornixda
Katastrophale Versorgungslage bei der Polizei im Wendland. Polizeibeamte flexen aus Verzweiflung Bierlaster auf. #castor

