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    Textauszug aus diesem Dokument

    VOLKER KNAPPDIEDERICHS: Die Vertreibung aus dem Paradies So, wie das Kind in seiner Natur und aus seinem Herzen heraus ist, könnte es manchmal vor schierer Freude, vor purem Glück zerspringen. Seine \"unanstößliche Übertragung\" Freud auf die Menschen und die Tiere, dieser grenzenlose Glaube an die Liebe, an das Gute, an das Happyend ist ungetrübt, wird es gelassen. Erhält es die Chance, seiner inneren Natur ein Stück weit zu folgen und sie zu entfalten ich spreche hier also nicht von ungewollten oder früh traumatisierten Kindern, lebt das Herz des Kindes, lebt aus dem tief empfunden Einklang mit sich selbst und mit der unmittelbaren Lebensumwelt seiner Familie. Es ist sein Herz, das sich zeigt, dass sich verbinden will und Bindung sucht mit der Mutter, dem Vater, den anderen Wesen um es herum. \"Schlimmer\" noch, sein Herz kann überschäumen vor Liebe, vor Liebeslust, so dass der Erwachsene in seiner harschen, harten, unerbittlichen Welt des Kampfes und der Waffen heftig erschrickt. Dieser hat schließlich sein inneres Kind mit genau diesen Gefühlen in sich abgetrieben, es geopfert, ist dorthin gelangt, wo er nun ist. Tief in sich vergraben den Schmerz des gebrochenen Herzens, so tief, dass nichts mehr im seinem SelbstBewusstsein davon greifbar ist. Wie das Wesen des eigenen Kindes nun unbegreiflich erscheinen muss. \"Die Schläge meines Vaters haben mir nie geschadet. Im Gegenteil\". Längst hat er sich für die Waffen und die Abtreibung seiner Herzgefühle entschieden und so viele Jahre danach gelebt in der kalten herzlosen Welt, die unsere Welt ist. Nahezu jeder Erwachsene in unserer Kultur hat eines lernen müssen: Die Stimme des Herzens ist peinlich, lächerlich, kindisch, belanglos, sie läuft der Wirklichkeit zuwider, sie ist lästig, eigentlich völlig unwichtig, überflüssig wie die 20. Talkshow mit Leuten, die man schon 20 mal hat reden hören. Zwar ist sie irgendwie da, und dass sie da ist, lässt sich auch irgendwie nicht vermeiden, aber wirklich gewünscht, willkommen, geliebt gar ist diese Stimme nicht. Ich möchte Sie einladen, werte Leser/in, diesen Absatz jetzt noch einmal zu lesen, aber diesmal in einer etwas anderen Variation: Nahezu jeder Erwachsene in unserer Kultur hat eines lernen müssen: Das Kind, wie es wirklich ist, ist peinlich, lächerlich, kindisch, belanglos, läuft der Wirklichkeit zuwider, ist lästig, eigentlich völlig unwichtig, überflüssig wie die 20. Talkshow mit Leuten, die man schon 20 mal hat reden hören. Zwar ist es irgendwie da, und dass es da ist, lässt sich auch irgendwie nicht vermeiden, aber wirklich gewünscht, willkommen, geliebt gar ist es nicht. Dieses Wesen des Kindes, das aus seinem Herzen heraus lebt, ist, so wie es ist, eine Schande. Es soll anders sein. Es muss anders werden. Es sollte sich schämen, so zu sein. So überschwänglich, so naiv in seiner Liebe. Das Leben ist doch ganz anders. Die Menschen sind doch ganz anders. Das Leben ist hart, das Kind viel zu weich, falsch in dieser Weichheit des Herzens. Diese elende Schwäche, wenn und wie es sein Herz zeigt. Lächerlich. Es ist eine Schande, solche Gefühle zu empfinden, es ist eine Schande, so zu sein, wie es ist. Es ist lächerlich. Hahaha. Und dieser offene, sehnsüchtige Blick, ist er nicht lächerlich, hündisch? Wenn mein Hund so guckt, okay, er ist schließlich ein Hund.
    Aber mein Kind? Soll doch ein Mensch sein, ein Mensch werden, da guckt man so nicht. Und das Kind erfährt die Scham. Die Vertreibung aus dem Paradies. Dass, was es zu verdecken lernt, ist nicht in erster Linie sein Genital, sondern sein Herz. Die Vertreibung aus dem Paradies ist die Abtreibung seines Herzens. Die Vertreibung aus dem Paradies ist die tief empfundene Scham darüber, ein über alle Maßen liebendes, ein überschwängliches, ein aus innerem Frieden und Glückseligkeit heraus schlagendes Herz in sich zu fühlen. Die Welt, in die es geboren wird, wird ein solches Herz beschämen. Wieder und wieder. Oder kreuzigen. Christusmord W. Reich. Wird dieses Kind beschämen. Und dieses Kind wird sich schämen, ein Leben lang, ein solches Herz in sich fühlen zu müssen und es schlussendlich in sich ersticken. Und: Verwundet und verwundert darüber, dass es nicht mehr lieben kann, sein Dasein fristen.

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