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Tagebuch eines Auftragskillers (Thriller, Kurzgeschichte)
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Themen: kurzgeschichte krimi echtzeit mafia deutschland Kategorie: Literatur/Texte/Lyrik
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| Autor: | |
| Veröffentlicht: | 2005 |
| Art des Textes: | Kurzgeschichte |
| Thema: | Krimi/Thriller |
| Lizenz: | Public Domain (nicht urheberrechtlich geschützt) |
Textauszug aus diesem Dokument
Zu meiner Person: Mein Name ist Markus Mosstard, doch Namen sind Schall und Rauch und tun hier nichts zur Sache. Geboren wurde ich am 23.12.1966 in Frankfurt am Main als Sohn eines Schlossers und einer Sekretärin. Ich war zwölf als meine Eltern sich 1979 scheiden ließen. Für mich brach eine bislang heile Welt zusammen. Mit dreizehn kam ich ins Internat. Viele meiner Mitinsassen waren aggressiv, sadistisch oder zumindest verhaltensgestört. Ein Großteil hatte ähnliche oder gar schlimmere familiäre Hintergründe als ich. Manche waren echte Troublemaker. Das ging von aus heutiger Sicht harmlosen Jungenstreichen über Weglaufen wir nannten es immer Ausbruchsversuche bis hin zu Vandalismus, Diebstahl und schlimmerem. Es waren zwar die frühen 80er, aber es war auch ein strenges, katholisches Haus. Die Erzieher waren keine Pädagogen, sondern Aufseher. Entsprechend drakonisch fielen auch die Strafen fürs Scheißebauen aus erst recht für notorische Wiederholungstäter . Die Prügelstrafe war zwar offiziell abgeschafft, aber in leeren Klassenzimmern und hinter verschlossenen Türen gab es keine Zeugen außer Gott?. Es waren harte zwei Jahre, obwohl ich mich nach Möglichkeit immer aus allem Ärger rausgehalten habe. Den Rest der Zeit besuchte ich noch zwei weitere Schulen, wohnte weiterhin bei Mutter und erzielte die \"Mittlere Reife\". Und entgegen dem Rat meiner alten Dame begann ich keine Lehre und leistete stattdessen direkt meinen Wehrdienst ab. Noch als Rekrut suchte ich mir meine erste eigene Bude im Frankfurter EastEnd. Mom fiel das Loslassen sichtlich schwer, doch ich wollte endlich auf eigenen Füßen stehen, frei sein Der Dienst an der Waffe verlief ohne Zwischenfälle und 1991 stand ich als Ungelernter schließlich auf der Straße. Mit dem Gedanken an Sozi konnte ich mich aber noch nie anfreunden, und so machte ich vom Entlassungssold wenigstens den Taxischein. Dass der Job so ziemlich das letzte und unterbezahlt war, war mir dabei klar doch besser als gar keine Arbeit Tagebuch: 22.06.1991 Meine erste Nacht bei Taxi Özgül war der blanke Horror. Ich war so angespannt, dass ich die einfachsten Wege vergaß und mir die kürzesten Strecken von den meisten Fahrgästen habe zeigen lassen müssen. Nicht alle reagierten mit Wohlwollen oder Verständnis Als Fahrgäste hatte ich Reiche und \"neureiche Snobs\", für die Fahrer, besonders Taxifahrer der letzte Dreck sind. Dann Alkis und Asoziale, für die unsereins zwar auch Abschaum ist, über die ich aber mindestens genauso denke. \"Ölaugen\" und \"Bimbos\" sind geizig. Besonders bei den \"Malachels\" werde ich den Eindruck nicht los, dass die meisten lieber ihresgleichen als Fahrer gehabt hätten. Na ja, die angenehmsten Fahrgäste auf meiner ersten Schicht waren immer noch Nutten und Junkies. Obwohl Huren entgegen meiner Erwartungen keine oder nur schlechte Tips gaben, waren die meisten Pusher da gnädiger. Kurioserweise scheinen die immer n paar Mark auf Tasche zu haben. Studies und Schüler hatte ich natürlich auch dabei, als Nachtfahrer allerdings meistens Partypeople, und einige Geschosse waren auch darunter mein lieber Scholli Ich hatte diese Nacht ca. 30 Fahrgäste. Habe versäumt, die Kollegen zu fragen, ob das für über die Woche viel oder wenig ist. Wenigstens war die Kasse ok und das ist in diesem Job die Hauptsache wusste gar nicht, dass Taxifahrer bei uns üblicher weise auf Beteiligung fahren. Aber nun bin ich platt nach der 12Stunden Nachtschicht Gute Nacht, Tagebuch. 04.07.1991 Heute habe ich eine persönliche Stammkundin von mir nach Hause gefahren. Es war wieder Yvonne, die Prostituierte, mit der ich mich ein wenig angefreundet habe. Sie bestellt mich immer persönlich. Die Zentrale schickt mich dann auch weitere Strecken zu ihr, auch außerhalb der Frankfurter Stadtbezirke, die eigentlich gar nicht mehr das Revier unseres Vereins sind. Da sie aber immer auf mich wartet, ist das kein Problem. Wie cool wird es wohl sein, wenn der technische Fortschritt demnächst bezahlbare, kleine Funktelefone für jedermann ermöglichen wird, die auch nicht größer als schnurlose FestnetzTeile sind, so dass man sie in die Jackentasche stecken kann. Dann könnten die Stammkunden, die ich bereits habe, mich direkt im Wagen anrufen und bräuchten nicht mehr den Umweg über unseren Funk. Ich bin sicher, dass dies mir noch mehr Stammkunden einbringen würde. Wie gesagt habe ich heute Yvonne gefahren. Sie war mal wieder in Bad Homburg. Als ich sie vor dem Kasino sah, machte sie ein besorgtes Gesicht. Sie erklärte mir dann, dass sie bis auf etwas Hartgeld all ihre Tageseinnahmen verzockt hatte und das ist, soweit ich weiß, ne Menge Zaster Sie hatte auch kein \"Plastikgeld\" bzw. keine ECKarte dabei. Da hat sie mir etwas Ungewöhnliches vorgeschlagen: Sie bot mir an, mir den Rest ihres täglichen KoksVorrates zu geben und so quasi in Naturalien zu bezahlen.
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