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    Textauszug aus diesem Dokument

    [Drittes Kapitel Klerikales] Nach einer wahren Geschichte. Sorgfältig recherchiert, ausführlich aufbereitet und psychologisch analysiert. Nicht nur zur Erbauung, auch zur Ermahnung betroffener Personen. Seite 3
    [Aus meinem Roman TREUFLEISCH] Klerikales Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen. Aristoteles, griechischer Philosoph, 384322 v. Chr. 1964 Den Aufenthalt unter kasernierten Bedingungen empfand der junge Paul van Cre als lehrreiche Erfahrung für sein späteres Leben. Zwar machte ihm das frühe Aufstehen, morgens, fünfzehn Minuten vor sechs Uhr nichts aus, denn der grosse Schlafsaal in dem Jugendliche aus der gesamten Bundesrepublik unter fleckig grauen, kratzigen WalkWolldecken schliefen, war ihm wegen der nächtlichen Geräusche und Gerüche äußerst unangenehm. Seite 4
    [Drittes Kapitel Klerikales] Paul, eine bessere Umgebung gewöhnt, machte die Bekanntschaft von 14jährigen Mördern und 15jährigen Zuhältern, die ohne Skrupel ihre Mütter auf den Strassenstrich geschickt, und ihre Schwestern genotzüchtigt hatten. Das, und auch Pauls kahlgeschorener Schädel war damals, in den frühen sechziger Jahren, noch kein Grund in schwere Depressionen zu verfallen, denn die sogenannten BeatlesFrisuren waren noch nicht bekannt. In einen löchrigen Blaumann gehüllt, mit klappernden Holzlatschen und kratzenden Wollsocken an den Füssen, durfte Paul in der anstaltseigenen Werkstatt Schuhsohlen mit einem stechend stinkenden Klebstoff einpinseln, um sie dann auf die passenden SchuhOberteile zu kleben. Klaglos, aber im tiefsten Innern bitterlich seine Schandtaten bereuend nahm er auch den selbstlosen Einsatz der Heimschwester Bernadetta hin, die penibel und täglich am Morgen und am Abend die Unterhosen der in Seite 5
    [Aus meinem Roman TREUFLEISCH] Block A untergebrachten Jungs auf verräterische Spuren möglicher Selbstbefleckung untersuchte, um selbst bei kleinstem Verdacht mit einem Rohrstock und mitzuzählenden Hieben auf das nackte Hinterteil des jugendlichen Sünders zu bestrafen. Einige Tage gelang es dem jungen Paul seine Unterhose nicht am Körper, sondern in der Hosentasche mitzuführen. Doch der Trick war uralt und seitens der Anstalt bekannt. Paul bekam einen Vortrag über die Verunreinigung durch Spritzer und Tropfen auf dem Anstaltsboden zu hören, der sich gewaschen hatte. Danach durfte er bei halber Essensration eine lange Woche lang über seine Missetaten im zwei mal zwei Meter großen Bunker auf einer feuchtschimmligen Matratze nachdenken, um anschließend mit hungrigem Magen noch zwei weitere Tage die Böden der Gänge und Aufenthaltsräume zu schruppen, bis man sprichwörtlich vom Boden essen Seite 6
    [Drittes Kapitel Klerikales] konnte, was der hungrige Paul auch gern getan hätte, wenn es für ihn ausreichende Mahlzeiten gegeben hätte. Besonders verhasst waren ihm die traditionellen Reinigungszeremonien in der Anstalt, die in strengkatholischklerikalen Kreisen weithin bekannt waren, und darum viele Besucher aus anderen Diözesen und auch Jesuiten anzogen, die sich bei der Heimleitung anheischig machten, gern für Gotteslohn tatkräftig auszuhelfen, was die Heimleiterin auch wohlwollend annahm, denn das Budget des Heims war knapp bemessen. Jeden Samstag half der Anstaltspfarrer und oft auch ein klerikaler Assistent, nur bekleidet mit bodenlangen, weissen klepperähnlichen Gummimänteln mit Kapuze, mit, die schmalen und überwiegend noch unbehaarten Jungs vom weltlichen Dreck zu reinigen. Bevorzugt nahmen sich die Stellvertreter des Herrn an den samstäglichen Reinigungszeremonien die Neuen und darum auch den Seite 7
    [Aus meinem Roman TREUFLEISCH] jungen Paul persönlich vor, um ihn mit pastoraler Zuwendung unter der eiskalten Dusche kräftig abzuschrubben und danach ausgiebig zu bürsten. Mit dem Hintergedanken so eine kleine Drecksau wusch ihn der Anstaltspfarrer symbolisch von seinen Sünden rein, vermutlich weil er in Pauls gebücktem Jungenkörper die Inkarnation des vor fast zweitausend Jahren nackten, am Kreuz gut abgehangenen Menschensohns sah. In dieser Zeit der Reinigung und Bekehrung lernte der kleine Paul viel über die Heiligen und ihre Schriften, obwohl er den Sinn der Worte noch nicht so richtig verstand. Wenn der Anstaltspfarrer zufrieden und erschlaffend zu ihm sprach: Mein Sohn, schon der alte Hiob sagte, meine Zunftgenossen werden um dich feilschen, widersprach Paul nicht, denn schon seine Mutter verstand sich gut mit der Honoratioren und hatte im den wertvollen Rat fürs Leben mitgegeben: Üb immer Treue und Redlichkeit. Sei Seite 8
    [Drittes Kapitel Klerikales] bescheiden und brav. Sonst musst du den Marsch blasen, und das macht nicht immer Spaß. Glaub mir, ich weiß von was ich spreche. An diese Worte erinnerte sich Paul und darum wehrte er sich trotz rückwärtiger Schmerzen nicht zu...
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