Lade Dokument...

Integration von Tablet PCs im Rahmen des Medieneinsatzes einer gymnasialen Oberstufe
PDF Dokument,
Themen: schulentwicklung tablet-pc Kategorie: Veröffentlichungen/Paper
1129Views
313Downloads
| Autor: | |
| Veröffentlicht: | Juni 2009 |
| Thema: | IT/Informatik |
| Lizenz: | Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung |
| Impressum |
Textauszug aus diesem Dokument
Durch den Einsatz des Tablet PCs haben sich die Zugangsvoraussetzungen zu digitalen
Medien in der Schule für alle Schülerinnen und Schüler der Lerngruppe deutlich
verbessert. Bei den meisten Schülerinnen und Schülern hat der Tablet PC auch die bisherige
häusliche PC-Ausstattung ersetzt und wurde dort neben schulischen Kontexten
in verschiedenen Bereichen (z.B. für Unterhaltung, Kommunikation, Audio- und Videobearbeitung)
umfangreich genutzt.
Die Schülerinnen und Schüler bewerten die Leistungsfähigkeit und Ausstattung des
Tablet PCs insgesamt positiv. Negativ bewerten sie allerdings das Gewicht des Tablet
PCs, das sie teilweise daran hindert, ihn neben Büchern und Unterrichtsmaterialien regelmäßig
mit in die Schule zu bringen.
Die Softwareausstattung wurde von den Schülerinnen und Schülern uneinheitlich bewertet.
Auf der einen Seite erwies es sich von Vorteil, dass die Arbeit mit gleichen Programmen
Kompatibilitätsprobleme reduziert (z.B. beim Anfertigen von Präsentationen).
Auf der anderen Seite erwies es sich als Manko, dass die meisten Programme über einen
Terminalserver nur innerhalb der Schule genutzt werden können, so dass fast alle Schülerinnen
und Schüler die Ausstattung um eigene Programme erweitert haben. Sehr negativ
haben alle Schülerinnen und Schüler das Fehlen von digitalen Unterrichtsmaterialien
bewertet. Der dadurch entstandene Medienbruch hat die Nutzung des Tablet PCs
deutlich eingeschränkt.
Die Schülerinnen haben in dem relativ kurzen Zeitraum der Evaluation den Support für
den (noch relativ neuen) Tablet PC selber bzw. im Peer-Support leisten können, indem
sie sich gegenseitig und auch ihre Lehrkräfte unterstützt haben. Unklar bleibt, ob dies
bei zunehmenden Problemen mit wachsendem Alter der Geräte in der Form aufrecht
erhalten werden kann. Bei größeren Problemen konnte in den meisten Fällen der technische
Assistent der Schule Unterstützung leisten.
Deutlich wurde aber auch, dass der Schulträger gefordert ist, die notwendigen Infrastrukturen
in der Schule bereitzustellen und deren Verfügbarkeit zu garantieren. Insbesondere
der Zugang zum Schulnetz und in das Internet sowie die Stromversorgung
bereiteten den Beteiligten über den gesamten Projektzeitraum erhebliche Probleme.
Auch die Integration des Tablet PCs mit den anderen digitalen Medien in der Schule,
wie z.B. den Interaktiven Whiteboards und dem schulweit eingesetzten Lernmanagement-
System, ist im Rahmen des Projektes nur ansatzweise gelungen.
Die unterrichtliche Nutzung des Tablet PCs ist bis auf wenige Ausnahmen in dem
Projekt überwiegend auf die drei gemeinsam unterrichteten Profilfächer (Mathe, Biologie
und Geografie) der Lerngruppe beschränkt geblieben. Einige Schülerinnen und
Schüler haben mit unterschiedlichem Erfolg versucht, den Tablet PC auch in anderen
Fächern zu nutzen, sofern die Lehrkräfte ihnen dies gestattet haben.
Zu Beginn des Projektes war bei der gesamten Lerngruppe eine starke Motivation zur
Nutzung des Tablet PCs im Unterricht vorhanden, die im Verlauf des Projektes aber
deutlich nachgelassen hat. Da der Tablet PC nicht regelmäßig im Unterricht genutzt
wird, bringen viele Schülerinnen und Schüler den Tablet PC nur noch mit in die Schule,
wenn die Lehrkräfte sie dazu auffordern.
Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte bestätigen, dass es innerhalb
der Lerngruppe zu einem deutlichen Anstieg der Medienkompetenz gekommen
1 Executive Summary Seite 5
ist. Auswirkungen auf die fachbezogenen Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler
konnten nicht beobachtet werden. Die Lehrkräfte beobachteten vor allem zu Beginn
des Projektes eine Ablenkung der Schülerinnen und Schüler vom Unterrichtsgeschehen
durch den Tablet PC, die jedoch im Verlauf des Projektes wieder nachgelassen hat.
Der Einsatz von mobilen Endgeräten in einer 1:1-Situation in Schülerhand erlaubt einen
wesentlich spontaneren und flexibleren unterrichtlichen Medieneinsatz. Diese Möglichkeiten
wurden von den Schülerinnen und Schülern im Projekt jedoch höchst unterschiedlich
erschlossen. Zudem bestätigen die meisten Beteiligten, dass hierfür auch
deutlich einfachere Geräte (z.B. Netbooks) ausreichend gewesen wären, da der Tablet
PC in den meisten Fällen genutzt wurde wie ein normales Notebook. Die spezifischen
Eigenschaften des Tablet PCs (z.B. Handschrifterkennung) werden nur von einer kleinen
Gruppe der Schülerinnen und Schüler genutzt und auch hier nicht vollständig ausgeschöpft.
Die hohe Relevanz der Materialität und Performativität der Lern- und Lehrpraxis für die
Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrkräfte begrenzt die Reichweite der schulischen
Integration mobiler Endgeräte wie dem Tablet PC. Der konsequentere Einsatz
des Tablet PCs würde aus Sicht der meisten Schülerinnen und Schüler zudem eine Re-
Organisation der Lehr- und Lernpraxis erfordern. Der Unterricht bietet dafür aber
kaum Experimentierräume und ein Scheitern birgt das hohe Risiko, schlechtere Noten
zu bekommen. Daraus resultiert an vielen Stellen eine konservative Praxis, die auf den
etablierten Lernpraxen basiert.
Eine umfassende Integration des Tablet PCs in den Unterricht und eine damit verbundene
Veränderung des Unterrichts ist bisher noch nicht gelungen. Die Lehrkräfte setzen
das Gerät vor allem ein, um etablierte Unterrichtspraxen wie Schreiben, Recherchieren
und Präsentieren zu unterstützen. Selten wurde der Tablet PC genutzt, um im Unterricht
neue Praxen (z.B. die Unterstützung von Versuchen in Biologie) auszuprobieren.
Aus den Berichten der Beteiligten geht jedoch hervor, dass es in Ansätzen zu einer
Enthierarchisierung des Unterrichts gekommen ist, durch die auch die traditionelle Rollenverteilung
zwischen Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern teilweise umgekehrt
wurde.
Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte haben einen Fortbildungsbedarf
artikuliert, der im Rahmen des Projektes nicht befriedigt worden ist. Dabei
geht es zum einen für alle Beteiligten um eine Einweisung in die spezifischen Möglichkeiten
des Tablet PCs und einzelne Softwareanwendungen sowie für die Lehrkräfte
insbesondere um Schulungen zur methodisch-didaktischen Integration der digitalen
Medien in den Unterricht. Hier sind künftig die externen Unterstützungsangebote
gefordert, die schulinterne Lehrerfortbildung in geeigneter Weise zu unterstützen.
Gesamtes Dokument lesen »
Medien in der Schule für alle Schülerinnen und Schüler der Lerngruppe deutlich
verbessert. Bei den meisten Schülerinnen und Schülern hat der Tablet PC auch die bisherige
häusliche PC-Ausstattung ersetzt und wurde dort neben schulischen Kontexten
in verschiedenen Bereichen (z.B. für Unterhaltung, Kommunikation, Audio- und Videobearbeitung)
umfangreich genutzt.
Die Schülerinnen und Schüler bewerten die Leistungsfähigkeit und Ausstattung des
Tablet PCs insgesamt positiv. Negativ bewerten sie allerdings das Gewicht des Tablet
PCs, das sie teilweise daran hindert, ihn neben Büchern und Unterrichtsmaterialien regelmäßig
mit in die Schule zu bringen.
Die Softwareausstattung wurde von den Schülerinnen und Schülern uneinheitlich bewertet.
Auf der einen Seite erwies es sich von Vorteil, dass die Arbeit mit gleichen Programmen
Kompatibilitätsprobleme reduziert (z.B. beim Anfertigen von Präsentationen).
Auf der anderen Seite erwies es sich als Manko, dass die meisten Programme über einen
Terminalserver nur innerhalb der Schule genutzt werden können, so dass fast alle Schülerinnen
und Schüler die Ausstattung um eigene Programme erweitert haben. Sehr negativ
haben alle Schülerinnen und Schüler das Fehlen von digitalen Unterrichtsmaterialien
bewertet. Der dadurch entstandene Medienbruch hat die Nutzung des Tablet PCs
deutlich eingeschränkt.
Die Schülerinnen haben in dem relativ kurzen Zeitraum der Evaluation den Support für
den (noch relativ neuen) Tablet PC selber bzw. im Peer-Support leisten können, indem
sie sich gegenseitig und auch ihre Lehrkräfte unterstützt haben. Unklar bleibt, ob dies
bei zunehmenden Problemen mit wachsendem Alter der Geräte in der Form aufrecht
erhalten werden kann. Bei größeren Problemen konnte in den meisten Fällen der technische
Assistent der Schule Unterstützung leisten.
Deutlich wurde aber auch, dass der Schulträger gefordert ist, die notwendigen Infrastrukturen
in der Schule bereitzustellen und deren Verfügbarkeit zu garantieren. Insbesondere
der Zugang zum Schulnetz und in das Internet sowie die Stromversorgung
bereiteten den Beteiligten über den gesamten Projektzeitraum erhebliche Probleme.
Auch die Integration des Tablet PCs mit den anderen digitalen Medien in der Schule,
wie z.B. den Interaktiven Whiteboards und dem schulweit eingesetzten Lernmanagement-
System, ist im Rahmen des Projektes nur ansatzweise gelungen.
Die unterrichtliche Nutzung des Tablet PCs ist bis auf wenige Ausnahmen in dem
Projekt überwiegend auf die drei gemeinsam unterrichteten Profilfächer (Mathe, Biologie
und Geografie) der Lerngruppe beschränkt geblieben. Einige Schülerinnen und
Schüler haben mit unterschiedlichem Erfolg versucht, den Tablet PC auch in anderen
Fächern zu nutzen, sofern die Lehrkräfte ihnen dies gestattet haben.
Zu Beginn des Projektes war bei der gesamten Lerngruppe eine starke Motivation zur
Nutzung des Tablet PCs im Unterricht vorhanden, die im Verlauf des Projektes aber
deutlich nachgelassen hat. Da der Tablet PC nicht regelmäßig im Unterricht genutzt
wird, bringen viele Schülerinnen und Schüler den Tablet PC nur noch mit in die Schule,
wenn die Lehrkräfte sie dazu auffordern.
Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte bestätigen, dass es innerhalb
der Lerngruppe zu einem deutlichen Anstieg der Medienkompetenz gekommen
1 Executive Summary Seite 5
ist. Auswirkungen auf die fachbezogenen Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler
konnten nicht beobachtet werden. Die Lehrkräfte beobachteten vor allem zu Beginn
des Projektes eine Ablenkung der Schülerinnen und Schüler vom Unterrichtsgeschehen
durch den Tablet PC, die jedoch im Verlauf des Projektes wieder nachgelassen hat.
Der Einsatz von mobilen Endgeräten in einer 1:1-Situation in Schülerhand erlaubt einen
wesentlich spontaneren und flexibleren unterrichtlichen Medieneinsatz. Diese Möglichkeiten
wurden von den Schülerinnen und Schülern im Projekt jedoch höchst unterschiedlich
erschlossen. Zudem bestätigen die meisten Beteiligten, dass hierfür auch
deutlich einfachere Geräte (z.B. Netbooks) ausreichend gewesen wären, da der Tablet
PC in den meisten Fällen genutzt wurde wie ein normales Notebook. Die spezifischen
Eigenschaften des Tablet PCs (z.B. Handschrifterkennung) werden nur von einer kleinen
Gruppe der Schülerinnen und Schüler genutzt und auch hier nicht vollständig ausgeschöpft.
Die hohe Relevanz der Materialität und Performativität der Lern- und Lehrpraxis für die
Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrkräfte begrenzt die Reichweite der schulischen
Integration mobiler Endgeräte wie dem Tablet PC. Der konsequentere Einsatz
des Tablet PCs würde aus Sicht der meisten Schülerinnen und Schüler zudem eine Re-
Organisation der Lehr- und Lernpraxis erfordern. Der Unterricht bietet dafür aber
kaum Experimentierräume und ein Scheitern birgt das hohe Risiko, schlechtere Noten
zu bekommen. Daraus resultiert an vielen Stellen eine konservative Praxis, die auf den
etablierten Lernpraxen basiert.
Eine umfassende Integration des Tablet PCs in den Unterricht und eine damit verbundene
Veränderung des Unterrichts ist bisher noch nicht gelungen. Die Lehrkräfte setzen
das Gerät vor allem ein, um etablierte Unterrichtspraxen wie Schreiben, Recherchieren
und Präsentieren zu unterstützen. Selten wurde der Tablet PC genutzt, um im Unterricht
neue Praxen (z.B. die Unterstützung von Versuchen in Biologie) auszuprobieren.
Aus den Berichten der Beteiligten geht jedoch hervor, dass es in Ansätzen zu einer
Enthierarchisierung des Unterrichts gekommen ist, durch die auch die traditionelle Rollenverteilung
zwischen Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern teilweise umgekehrt
wurde.
Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte haben einen Fortbildungsbedarf
artikuliert, der im Rahmen des Projektes nicht befriedigt worden ist. Dabei
geht es zum einen für alle Beteiligten um eine Einweisung in die spezifischen Möglichkeiten
des Tablet PCs und einzelne Softwareanwendungen sowie für die Lehrkräfte
insbesondere um Schulungen zur methodisch-didaktischen Integration der digitalen
Medien in den Unterricht. Hier sind künftig die externen Unterstützungsangebote
gefordert, die schulinterne Lehrerfortbildung in geeigneter Weise zu unterstützen.
Gesamtes Dokument lesen »


Kommentare zu diesem Dokument