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Hochschulpakt Antrag der Bundestagsfraktion von B90 / Die Grünen
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Themen: hochschule universität bundestag bildung akademikerinnen wissenschaftler wissenschaft forschung lehre Kategorie: Broschüren/Publikationen
Textauszug aus diesem Dokument
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Das deutsche Hochschulsystem bietet dem wissenschaftlichen Nachwuchs
keine verlässlichen Perspektiven. Befristete Beschäftigungsverhältnisse für
hauptberufliche Wissenschaftler/-innen sind inzwischen der Regelfall an den
deutschen Hochschulen. Teilzeit trotz Vollzeitaufgaben, nebenberufliche und
prekäre Beschäftigungsverhältnisse breiten sich immer weiter aus. Die Karrierewege
bleiben oft bis ins fünfte Lebensjahrzehnt unberechenbar. Die Ungewissheit
wiegt um so schwerer, als sie in Altersgruppen reicht, in denen sich die
Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders drängend stellt.
Wissenschaft als Beruf verliert damit erheblich an Attraktivität, wie die aktuelle
Studie „Wissenschaftliche Karrieren“ des HIS-Instituts für Hochschulforschung
hervorhebt, obwohl die Nachwuchswissenschaftler/-innen hoch motiviert sind
und sich für das wissenschaftliche Arbeiten und Forschen begeistern. Angesichts
der demografischen Entwicklung und der Internationalisierung der
Arbeitsmärkte für Hochqualifizierte muss konstatiert werden: Die Konkurrenzfähigkeit
des Arbeitsplatzes Hochschule gegenüber privaten Arbeitgebern oder
einer wissenschaftlichen Tätigkeit im Ausland ist gefährdet.
Der sinkende Anteil der Grundmittel an der Finanzierung der Hochschulen bei
wachsenden Aufgaben in Forschung und Lehre hat die Tendenz befördert, mehr
Personal zu möglichst kostengünstigen Bedingungen einzustellen. Die Zahl der
Professuren stagniert seit Jahren. Verschärft wird dieses Missverhältnis zwischen
abhängigen Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen
sowie Professoren und Professorinnen durch eine aus internationaler Perspektive
exotische Besonderheit: Im deutschen Hochschulsystem existieren unterhalb der
Professur keine dauerhaften Beschäftigungsmöglichkeiten für erfahrene Kräfte,
in denen Raum für selbständige Forschung und Lehre gegeben ist. Aus dieser
Konstellation erwächst die extreme Verengung der Karrierewege für den wissenschaftlichen
Nachwuchs. Dieser sog. Karriereflaschenhals konterkariert die Bemühungen
der Exzellenzinitiative, des Pakts für Forschung und Innovation und
die Internationalisierungsstrategie. Für den hervorragenden wissenschaftlichen
Nachwuchs, auf den die Graduiertenschulen, Graduiertenkollegs und PostdocDrucksache
17/4203 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
Programme zielen, gibt es nach der Förderung kaum realistische Anschlussperspektiven.
In einzelnen Disziplinen stellt die geringe Attraktivität der Hochschulkarriere
bereits jetzt ein ernsthaftes Problem dar. Im internationalen Wettbewerb um die
besten Nachwuchskräfte und in der Konkurrenz mit privatwirtschaftlichen Arbeitgebern
verlieren die deutschen Hochschulen zunehmend den Anschluss.
Schon heute sind Sonderprogramme nötig, um hervorragende Nachwuchskräfte
für die Rückkehr nach Deutschland zu gewinnen. Aber die Programme drohen
ins Leere zu laufen, wenn sich die Perspektiven für den wissenschaftlichen
Nachwuchs nicht verbessern. Die Personalstrukturen an den Hochschulen gefährden
damit die Qualität und dieWettbewerbsfähigkeit des gesamtenWissenschafts-,
Forschungs- und Innovationssystems, das auf die Ausbildungsleistung
der Hochschulen und hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs angewiesen
ist.
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I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Das deutsche Hochschulsystem bietet dem wissenschaftlichen Nachwuchs
keine verlässlichen Perspektiven. Befristete Beschäftigungsverhältnisse für
hauptberufliche Wissenschaftler/-innen sind inzwischen der Regelfall an den
deutschen Hochschulen. Teilzeit trotz Vollzeitaufgaben, nebenberufliche und
prekäre Beschäftigungsverhältnisse breiten sich immer weiter aus. Die Karrierewege
bleiben oft bis ins fünfte Lebensjahrzehnt unberechenbar. Die Ungewissheit
wiegt um so schwerer, als sie in Altersgruppen reicht, in denen sich die
Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders drängend stellt.
Wissenschaft als Beruf verliert damit erheblich an Attraktivität, wie die aktuelle
Studie „Wissenschaftliche Karrieren“ des HIS-Instituts für Hochschulforschung
hervorhebt, obwohl die Nachwuchswissenschaftler/-innen hoch motiviert sind
und sich für das wissenschaftliche Arbeiten und Forschen begeistern. Angesichts
der demografischen Entwicklung und der Internationalisierung der
Arbeitsmärkte für Hochqualifizierte muss konstatiert werden: Die Konkurrenzfähigkeit
des Arbeitsplatzes Hochschule gegenüber privaten Arbeitgebern oder
einer wissenschaftlichen Tätigkeit im Ausland ist gefährdet.
Der sinkende Anteil der Grundmittel an der Finanzierung der Hochschulen bei
wachsenden Aufgaben in Forschung und Lehre hat die Tendenz befördert, mehr
Personal zu möglichst kostengünstigen Bedingungen einzustellen. Die Zahl der
Professuren stagniert seit Jahren. Verschärft wird dieses Missverhältnis zwischen
abhängigen Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen
sowie Professoren und Professorinnen durch eine aus internationaler Perspektive
exotische Besonderheit: Im deutschen Hochschulsystem existieren unterhalb der
Professur keine dauerhaften Beschäftigungsmöglichkeiten für erfahrene Kräfte,
in denen Raum für selbständige Forschung und Lehre gegeben ist. Aus dieser
Konstellation erwächst die extreme Verengung der Karrierewege für den wissenschaftlichen
Nachwuchs. Dieser sog. Karriereflaschenhals konterkariert die Bemühungen
der Exzellenzinitiative, des Pakts für Forschung und Innovation und
die Internationalisierungsstrategie. Für den hervorragenden wissenschaftlichen
Nachwuchs, auf den die Graduiertenschulen, Graduiertenkollegs und PostdocDrucksache
17/4203 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
Programme zielen, gibt es nach der Förderung kaum realistische Anschlussperspektiven.
In einzelnen Disziplinen stellt die geringe Attraktivität der Hochschulkarriere
bereits jetzt ein ernsthaftes Problem dar. Im internationalen Wettbewerb um die
besten Nachwuchskräfte und in der Konkurrenz mit privatwirtschaftlichen Arbeitgebern
verlieren die deutschen Hochschulen zunehmend den Anschluss.
Schon heute sind Sonderprogramme nötig, um hervorragende Nachwuchskräfte
für die Rückkehr nach Deutschland zu gewinnen. Aber die Programme drohen
ins Leere zu laufen, wenn sich die Perspektiven für den wissenschaftlichen
Nachwuchs nicht verbessern. Die Personalstrukturen an den Hochschulen gefährden
damit die Qualität und dieWettbewerbsfähigkeit des gesamtenWissenschafts-,
Forschungs- und Innovationssystems, das auf die Ausbildungsleistung
der Hochschulen und hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs angewiesen
ist.
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