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Hausarbeit: Die Parteien der Weimarer Koalitionen
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Themen: parteien weimar politik geschichte politikwissenschaft Kategorie: Hausarbeiten
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| Universität: | Johannes Gutenberg-Universität Mainz |
| Thema: | Politik |
| Lizenz: | Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung |
Textauszug aus diesem Dokument
3 1. Einleitung Eine der auffälligsten Erscheinungen im Zusammenhang mit der Umbildung des deutschen Staatswe sens, hin zu einer parlamentarischen Demokratie im Jahre 1918, war die gewachsene Bedeutung der Parteien als Träger der Politik. Seit der Gründung der Republik und deren demokratischen Legitimie rung durch die Nationalversammlung war den einzelnen Parteien nun die Aufgabe zugefallen, den politischen Ausgleichsprozeß zu vermitteln und auf dem Wege des parlamentarischen Kompromisses in praktische Politik, in ein von der Mehrheit des Volkes anerkannte Gestaltung der gesamtstaatlichen Entwicklung umzusetzen1, obwohl die Verfassung ihnen hierzu keinen ausdrücklichen Auftrag gab. Allerdings blieb as alte Parteienschema der Kaiserzeit trotz einiger Umbenennungen weitgehend be stehen. Dabei lassen sich immer noch die alten politischen Strömungen erkennen: die Konservativen, vertreten durchdie DNVP; der Links und Rechtsliberalismus in Form der DDP und der DVP; die Sozialisten mit der SPD und der politische Katholizismus in der Deutschen Zentrumspartei und der Bayerischen Volkspartei BVP. Hinzu kamen schließlich die Flügelparteien, die der politischen Ra dikalisierung Ausdruck gaben, nämlich die KPD und die NSDAP.2 In dieser Hausarbeitsoll sich nun besonders mit den Parteien der Weimarer Koalition, dem Zentrum, der SPD und der DDP, beschäftigt werden. Von folgender Fragestellung wird dabei ausgegangen: Welche Rolle haben eben genannte Parteien in der Weimarer Demokratie gespielt? Welche zentralen Ziele wurden in den Parteiprogrammen festgelegt? Wie waren diese Parteien organisiert und aus welchen Schichten rekrutierte sich deren Wähler schaft? Wo lagen die zentralen Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede im Vergleich der drei Parteien? Unter diesen Gesichtspunkten sollen nun diese Parteien behandelt werden. In diesem Zusammenhang soll dann auch auf die Rolle der Unabhängigen Sozialdemokraten USPD und der Deutschen Staats partei DStP, die 1930 als Nachfolgepartei der DDP gegründet wurde, eingegangen werden. [...]
2.1. Vorgeschichte In einer charakteristischen Koinzidenz sind die Anfangs und Enddaten der jüngeren deutschen Ge schichte identisch mit den Daten der Gründung und des Untergangs der Deutschen Zentrumspartei. Gegründet wurde sie im Jahr 1870 unter dem Eindruck der kleindeutschen Einigung und der protes tantischen Kaisermacht als politische Interessenvertretung des deutschen Katholizismus und wurde durch den Konflikt mit dem damaligen deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck besonders ge prägt. Mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus am 30. Januar 1933 fand das Zentrum
1Bracher, Karl Dietrich: Die Auflösung der Weimarer Republik. Eine Studie zum Machtverfall in der Demo kratie Schriften des Instituts für politische Wissenschaft, Band 4. Villingen/Schwarzwald 31960. S. 66.
2Vgl. Vogt, Martin: Parteien in der Weimarer Republik. In: Karl Dieter Bracher, Manfred Funke u. HansAdolf Funke Hrsg.: Die Weimarer Republik 19181933. Politik Wirtschaft Gesellschaft. Schriftenreihe der politischen Bildung, Band 251. Bonn 1987. S. 137. [...]
4 schließlich als Exponent jener in sich geschlossenen Sondergesellschaft des deutschen Katholizis mus sein Ende, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Konfrontation mit der heraufziehen den bürgerlichliberalen Industriegesellschaft und in der Auseinandersetzung mit ihrer spezifischen Kultur und Staatsidee ausgeformt hatte.3 Um nun auf die Bedeutung des Zentrums in der Parteien landschaft der Weimarer Republik einzugehen, muß man zunächst auch dessen Rolle im Kaiserreich erschließen. Den Ursprung hatte das Zentrum in den weltanschaulichen Auseinandersetzungen in Deutschland, personell und ideell knüpfte es dabei an die katholische Fraktionsbildung im preußischen Landtag an. Es war eine Partei von Katholiken, die neben der Verteidigung kirchlicher Rechte auch gewisse poli tische Vorstellungen ausgebildet und programmatisch verdichtet hatte. Die am 28. Oktober 1870 ver abschiedete Soester Grundsatzerklärung stand unter dem anspruchsvollen Motto Für Wahrheit, Recht und Freiheit und formulierte vier zentrale Ziele: die Freiheit und den Schutz der Kirche, die Parität der Religionsgemeinschaften, die Schaffung von Konfessionsschulen und die Verteidigung des christlichen Charakters der Ehe. Die politischen und wirtschaftlichsozialen Ziele des Parteiprogram mes konzentrierten sich vor allem auf folgende Punkte: 1. Förderung der bundesstaatlichen Struktur des neugegründeten Deutschen Reiches; 2. Dezentralisierung der Verwaltung; 3. Beschränkung der Staatsausgaben und gerechte Verteilung der Steuern; 4. Interessenausgleich zwischen Kapital, Grundbesitz und Arbeit; 5. Förderung des bäuerlichen und bürgerlichen Mittelstandes; 6. Freiheit für die Lösung sozialer Aufgaben; 7. gesetzlicher Schutz der Arbeiter gegen sie bedrohende...
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2.1. Vorgeschichte In einer charakteristischen Koinzidenz sind die Anfangs und Enddaten der jüngeren deutschen Ge schichte identisch mit den Daten der Gründung und des Untergangs der Deutschen Zentrumspartei. Gegründet wurde sie im Jahr 1870 unter dem Eindruck der kleindeutschen Einigung und der protes tantischen Kaisermacht als politische Interessenvertretung des deutschen Katholizismus und wurde durch den Konflikt mit dem damaligen deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck besonders ge prägt. Mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus am 30. Januar 1933 fand das Zentrum
1Bracher, Karl Dietrich: Die Auflösung der Weimarer Republik. Eine Studie zum Machtverfall in der Demo kratie Schriften des Instituts für politische Wissenschaft, Band 4. Villingen/Schwarzwald 31960. S. 66.
2Vgl. Vogt, Martin: Parteien in der Weimarer Republik. In: Karl Dieter Bracher, Manfred Funke u. HansAdolf Funke Hrsg.: Die Weimarer Republik 19181933. Politik Wirtschaft Gesellschaft. Schriftenreihe der politischen Bildung, Band 251. Bonn 1987. S. 137. [...]
4 schließlich als Exponent jener in sich geschlossenen Sondergesellschaft des deutschen Katholizis mus sein Ende, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Konfrontation mit der heraufziehen den bürgerlichliberalen Industriegesellschaft und in der Auseinandersetzung mit ihrer spezifischen Kultur und Staatsidee ausgeformt hatte.3 Um nun auf die Bedeutung des Zentrums in der Parteien landschaft der Weimarer Republik einzugehen, muß man zunächst auch dessen Rolle im Kaiserreich erschließen. Den Ursprung hatte das Zentrum in den weltanschaulichen Auseinandersetzungen in Deutschland, personell und ideell knüpfte es dabei an die katholische Fraktionsbildung im preußischen Landtag an. Es war eine Partei von Katholiken, die neben der Verteidigung kirchlicher Rechte auch gewisse poli tische Vorstellungen ausgebildet und programmatisch verdichtet hatte. Die am 28. Oktober 1870 ver abschiedete Soester Grundsatzerklärung stand unter dem anspruchsvollen Motto Für Wahrheit, Recht und Freiheit und formulierte vier zentrale Ziele: die Freiheit und den Schutz der Kirche, die Parität der Religionsgemeinschaften, die Schaffung von Konfessionsschulen und die Verteidigung des christlichen Charakters der Ehe. Die politischen und wirtschaftlichsozialen Ziele des Parteiprogram mes konzentrierten sich vor allem auf folgende Punkte: 1. Förderung der bundesstaatlichen Struktur des neugegründeten Deutschen Reiches; 2. Dezentralisierung der Verwaltung; 3. Beschränkung der Staatsausgaben und gerechte Verteilung der Steuern; 4. Interessenausgleich zwischen Kapital, Grundbesitz und Arbeit; 5. Förderung des bäuerlichen und bürgerlichen Mittelstandes; 6. Freiheit für die Lösung sozialer Aufgaben; 7. gesetzlicher Schutz der Arbeiter gegen sie bedrohende...
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