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Erich Fromms Leben und politisches Denken
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Kategorie: Hausarbeiten
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| Autor: | |
| Veröffentlicht: | 1997 |
| Universität: | Philipps-Universität Marburg |
| Thema: | Politik |
| Lizenz: | Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung |
Textauszug aus diesem Dokument
1. Einleitung Als ich mir im Wintersemester 1994/95 im Rahmen des Seminars \"Politisches Denken im 20. Jahrhundert, Teil II\" von Prof. Frank Deppe Gedanken über ein Arbeitsthema machte, entschied ich mich für Erich Fromm. Auf den ersten Blick mag diese Entscheidung überraschen, sind doch andere Mitglieder der Frankfurter Schule wie Adorno, Horkheimer und Marcuse gerade in Marburg stärker rezipiert worden und scheinen eine größere politische Bedeutung zu haben. Allerdings gibt es inzwischen Gründe, diese Gewichtung wenn nicht zu revidieren, so doch zu überprüfen. Betrachtet man nicht nur die Wirkung der obengenannten Autoren in Deutschland bzw. Europa, verschieben sich bereits die Gewichte, da Erich Fromm einen großen Einfluß beispielsweise auf die Bürgerrechtsbewegung, auf die antiautoritäre Bewegung und auf Abrüstungsinitiativen in den USA hatte. Auch die Weitsichtigkeit und Aktualität seiner Kritik, die ihrer Zeit voraus war Fromm forderte im kalten Krieg eine einseitige Abrüstung der USA, seine Vorstellungen enthalten schon frühzeitig eine massive Patriarchatskritik, interessierten mich. Erich Fromms sozialistischer Ansatz beinhaltet immer auch eine Kritik des real existierenden Sozialismus in der Sowjetunion, in Osteuropa und in China. In diesem real existierenden Sozialismus sah er kein sozialistisches Gesellschaftssystem, sondern eine Staatsbürokratie, die er gleich dem Kapitalismus als unmenschliches, die menschliche Entfaltung hemmendes System begriff. Damit übersteht Fromms Ansatz die Tatsache des Zusammenbruchs des real existierenden Sozialismus. Nicht die Orientierung an einem real existierenden Vorbild bestimmt eine zukünftige Gesellschaftskritik und sozialistische Politik, sondern der Kampf gegen Entfremdung für die Selbstverwirklichung des Menschen, ausgehend von den realen ökonomischen und psychischen Bedingungen des Menschen in einer kapitalistischen überflußgesellschaft. Daher können an den Gedanken Erich Fromms sowohl eine zukünftige marxistische Gesellschaftskritik als auch konkrete sozialistische Bewegungen gerade in kapitalistischen Ländern anknüpfen. [...]
2.1. Kindheit und Jugend Erich Fromm wurde am 23. März 1900 in Frankfurt als einziges Kind des orthodoxjüdischen Weinkaufmannes Naphtali Fromm und seiner Frau Rosa, geb. Krause, geboren. Seine Jugend wurde sehr stark vom orthodoxen Judentum geprägt: beide Großväter waren Rabbiner, auch sein Vater engagierte sich stark in der jüdischen Gemeinde. Damit wuchs Erich Fromm in einer quasi vorbürgerlichen Gemeinschaft auf: Gelderwerb wurde als notwendiges übel angesehen, der Sinn des Lebens bestand in einer geistigen Entwicklung, die durch das Studium des Talmud erreicht werden sollte. So wurde von Erich Fromms Urgroßvater, der einen kleinen Laden zum Bestreiten seines Lebensunterhaltes besaß, die Anekdote erzählt, daß er, wenn ein Kunde den Laden betrat, diesen unfreundlich behandelte, da er sich durch Kundschaft in seinem Talmudstudium gestört fühlte. Besonders faszinierte Erich Fromm an diesen Personen die kompromißlose Einheit zwischen Denken und Handeln in ihrem Leben. Diese außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft stehende Wertegemeinschaft sollte Fromms Einstellung zu Gewinnstreben und zur bürgerlichen Gesellschaft sein ganzes Leben prägen, noch sein Alterswerk Haben oder Sein 1976 steht in dieser Tradition. Da Fromm die bürgerliche Gesellschaft quasi \"von außen\" betrachtete, war sein Blick auf ihre Deformationen geschärft. Der Einfluß seiner frühesten Sozialisation im orthodoxen Judentum darf deshalb nicht unterschätzt werden. Fromm war in seiner Jugend sehr stark in das religiöse Leben eingebunden, er wollte sich nach dem Abitur dem Studium des Talmud widmen. Dies verhinderte die ängstlichkeit des Vaters, der seinen Sohn nicht nach Posen ziehen lassen wollte. Fromm begann statt dessen ein Jurastudium, da er im weltlichen Gesetz eine Art \"Minimalkodex\" des göttlichen Gesetzes des Talmuds sah. zurück zum Anfang der Seite zum Ende der Seite
2.2. Freundschaft mit Rabbi Nobel, Aktivitäten in der jüdischen Gemeinde Fromm interessierte sich im Alter von 14 bis 16 Jahren in erster Linie für die prophetischen Schriften des Alten Testaments. An den Propheten faszinierte ihn besonders die Einheit zwischen Verkündigung und Lebenspraxis. Menschen, die Ideen verkündigen es müssen nicht unbedingt neue Ideen sein und die
Diese Ideen gleichzeitig leben, kann man als Propheten bezeichnen. Die Propheten des Alten Testaments Taten eben dies: Sie haben die Idee verkündigt, daß der Mensch eine Antwort auf die Probleme seiner Existenz finden müsse und daß die Antwort in der Entwicklung seiner Vernunft und seiner Liebe bestehe; und sie haben gelehrt, daß Demut und Gerechtigkeit nicht von Liebe und Vernunft zu trennen sind. Sie lebten, was sie verkündeten.
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2.1. Kindheit und Jugend Erich Fromm wurde am 23. März 1900 in Frankfurt als einziges Kind des orthodoxjüdischen Weinkaufmannes Naphtali Fromm und seiner Frau Rosa, geb. Krause, geboren. Seine Jugend wurde sehr stark vom orthodoxen Judentum geprägt: beide Großväter waren Rabbiner, auch sein Vater engagierte sich stark in der jüdischen Gemeinde. Damit wuchs Erich Fromm in einer quasi vorbürgerlichen Gemeinschaft auf: Gelderwerb wurde als notwendiges übel angesehen, der Sinn des Lebens bestand in einer geistigen Entwicklung, die durch das Studium des Talmud erreicht werden sollte. So wurde von Erich Fromms Urgroßvater, der einen kleinen Laden zum Bestreiten seines Lebensunterhaltes besaß, die Anekdote erzählt, daß er, wenn ein Kunde den Laden betrat, diesen unfreundlich behandelte, da er sich durch Kundschaft in seinem Talmudstudium gestört fühlte. Besonders faszinierte Erich Fromm an diesen Personen die kompromißlose Einheit zwischen Denken und Handeln in ihrem Leben. Diese außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft stehende Wertegemeinschaft sollte Fromms Einstellung zu Gewinnstreben und zur bürgerlichen Gesellschaft sein ganzes Leben prägen, noch sein Alterswerk Haben oder Sein 1976 steht in dieser Tradition. Da Fromm die bürgerliche Gesellschaft quasi \"von außen\" betrachtete, war sein Blick auf ihre Deformationen geschärft. Der Einfluß seiner frühesten Sozialisation im orthodoxen Judentum darf deshalb nicht unterschätzt werden. Fromm war in seiner Jugend sehr stark in das religiöse Leben eingebunden, er wollte sich nach dem Abitur dem Studium des Talmud widmen. Dies verhinderte die ängstlichkeit des Vaters, der seinen Sohn nicht nach Posen ziehen lassen wollte. Fromm begann statt dessen ein Jurastudium, da er im weltlichen Gesetz eine Art \"Minimalkodex\" des göttlichen Gesetzes des Talmuds sah. zurück zum Anfang der Seite zum Ende der Seite
2.2. Freundschaft mit Rabbi Nobel, Aktivitäten in der jüdischen Gemeinde Fromm interessierte sich im Alter von 14 bis 16 Jahren in erster Linie für die prophetischen Schriften des Alten Testaments. An den Propheten faszinierte ihn besonders die Einheit zwischen Verkündigung und Lebenspraxis. Menschen, die Ideen verkündigen es müssen nicht unbedingt neue Ideen sein und die
Diese Ideen gleichzeitig leben, kann man als Propheten bezeichnen. Die Propheten des Alten Testaments Taten eben dies: Sie haben die Idee verkündigt, daß der Mensch eine Antwort auf die Probleme seiner Existenz finden müsse und daß die Antwort in der Entwicklung seiner Vernunft und seiner Liebe bestehe; und sie haben gelehrt, daß Demut und Gerechtigkeit nicht von Liebe und Vernunft zu trennen sind. Sie lebten, was sie verkündeten.
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