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Der Vermeider

PDF Dokument, ca. 2.169 Wörter

Themen: navigation fehler Kategorie: Literatur/Texte/Lyrik

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Autor:
Veröffentlicht:Januar 2011
Art des Textes:Kurzgeschichte
Thema:Kurzgeschichte
Lizenz: Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung
  • Wer die falschen Wege meidet, ist auf die richtigen angewiesen.

Kommentare zu diesem Dokument

  • Eine schöne Idee. Deutsche SF-Fans werden sich ein wenig an den Contra-Computer erinnert fühlen.

Textauszug aus diesem Dokument

Das Fachgeschäft durch die sich leicht öffnende Tür betretend verwandelt er sich augenblicklich in einen Kunden. Etwas vorsichtig sieht er sich um, prüft den Raum und die Regale, die nach seiner Vermutung die Artikel vorhalten, die, wenn überhaupt, eines Ankaufs würdig sind.Der späte Nachmittag sorgt für ein milchiges, warmes Licht in den Gängen zwischen den Schränken. Er, der einzige Kunde in dieser Zeit, geht unschlüssig auf eine Regalwand zu, um ein erstes Angebot in Augenschein zu nehmen mit der Gewissheit, einen Kauf noch eine lange Zeit hinauszuschieben oder gar nicht erst in Erwägung zu ziehen.5
Von weitem die Unsicherheit des Kunden erahnend nähert sich nun ein junger Mann in grauem Anzug, mit weißem Hemd und silbriggrau gesprenkeltem Binder, behende und dennoch fast unauffällig. Der Anbieter hält den sich in der abendländischen Zivilisation entwickelten Abstand zum Kunden deutlich ein und fragt schließlich nach einem kaum merkbaren Räuspern: \"Kann ich Ihnen behilflich sein?\" Der Kunde hätte gerne noch ein wenig ohne Anrede durch den Anbieter den einen oder anderen Artikel geprüft, will andererseits aus Höflichkeit aber auch dessen Freundlichkeit nicht bestrafen und entschließt sich daher zur unverbindlichen Mitteilung: \"Ich interessiere mich für Navigationsgeräte.\"Die Bekundung eines bloßen Interesses, so hofft der Kunde, würde ihn nicht in die Verlegenheit bringen, nur mit einem erstandenen Gerät das Fachgeschäft verlassen zu dürfen. Ein Interesse verpflichtet zu nichts. Außerdem muss der Anbieter sich nun ein wenig anstrengen, um aus dem Kunden einen Käufer zu machen.6
\"Wir haben hier eine Reihe von guten Geräten. Ich bin sicher, es ist etwas für Sie dabei.\" Er wendet sich nach links und macht einige Schritte, die dem Kunden signalisieren, ihm, dem Anbieter, augenblicklich zu folgen. Als sie das Regal mit den Navigationsgeräten erreichen, nimmt der Anbieter ein Gerät in die Hand, hält es dem Kunden vor das Gesicht und, das Nacheinander der Wörter immer dichter packend, sprudelt er Versatzstücke aus hinsichtlich der Zieleingabe durch Sensortasten, der Sprachein und ausgabe, der automatischen Abblendung des Displays, des Updates von Daten, der Gewährleistung und Garantie und einiges mehr.Während der Anbieter seine Rede schließlich mit immer neuen technischen Begriffen anreichert, um dem Kunden zu verstehen zu geben, dass er nicht nur ein einfacher Anbieter, sondern ein außergewöhnlicher Anbieter sei, der mit besonderen Fachkenntnissen auf dem Spezialgebiet aller Navigationsgeräte und mit den neuesten Entwicklungen in diesem Bereich höchst vertraut sei, fällt der Blick des Kunden auf ein kleines flaches Gerät in einem anthrazitfarbenen Gehäuse, das we7
Der ein Tastenfeld noch ein Display besitzt. Das Einzige, was aus dem einfachen Gerät kaum wahrnehmbar herausragt, sind zwei Plastiklaschen, die jeweils mit einem kleinen Loch versehen sind. Seitlich befindet sich ein schmaler Schlitz, der mit einem Deckel geschützt ist. Das Gerät ist nicht größer als eine Brieftasche, aber schmaler.\"Was ist das?\" fragt der Kunde.Der Anbieter ist unmerklich verärgert darüber, dass der Kunde offensichtlich seiner Rede nicht weiter folgen will und sich für ganz andere Dinge zu interessieren scheint, antwortet schließlich im Bemühen, seine Sprache möglichst beiläufig klingen zu lassen: \"Das ist ein Vermeider\"\"Ein Vermeider?\"\"Ja, ein Vermeider. Ein Vermeider ist ein QuasiNavigationsgerät, eine ganz neue Entwicklung, noch im BetaStadium. Wir haben hier nur ein Exemplar. Beim Verkauf dieses Gerätes sind wir verpflichtet, unsere Kunden darauf hinzuweisen, 8
Dass es sich um ein Gerät handelt, das noch in der Erprobungsphase ist.\"\"Wie funktioniert so ein Vermeider?\"\"Nun, am besten kann man es erklären, wenn man es mit einem Navigationsgerät vergleicht. Bei einem Navi geben Sie ein Ziel ein und das Navi führt sie mit Kartenanzeige oder Sprachausgabe zum gewünschten Ziel. Viele Kunden fühlen sich durch ein Navi allerdings oft auch allzu sehr bevormundet. Manche mögen es nicht, sich von einem Navi herumkommandieren zu lassen. Es gibt Kunden, die zwar ein Navi haben, es aber meistens ausgeschaltet lassen. Es soll sogar Kunden geben, die immer genau das Gegenteil von dem machen, was ihnen das Navi vorgibt. Für diese Kunden ist der Vermeider entwickelt worden.\"\"Ich verstehe nicht.\"\"Nun, bei einem Vermeider können Sie kein Ziel eingeben. Es gibt auch keine Sprachausgabe oder Ähnliches.\"9
Der Anbieter nimmt den Vermeider in die Hand und deutet auf die Plastiklaschen.\"Hier sind zwei Laschen mit jeweils einem Loch. Das ermöglicht Ihnen, den Vermeider an einer modischen Kette zu befestigen, um den Hals zu legen und auf der Brust zu tragen. Wenn Sie nun eine ungünstige Richtung nehmen, meldet sich der Vermeider mit einem leichten Vibrieren. So können Sie eine bessere Richtung einschlagen.\"
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