Lade Dokument...
  • Was haben uns Heilige, gleich welcher Religion heute noch zu sagen? Der Beitrag ist ein versuch aus dem überlieferten Ereignissen im Leben des Hl. Liudger Erkenntnisse für unser leben zu gewinnen.

Kommentare zu diesem Dokument

Es wurden noch keine Kommentare abgegeben. Sei der Erste, der dieses Dokument kommentiert

    Textauszug aus diesem Dokument

    \"Fokussierung auf die Kernkompetenzen\". Dies ist ein Rat, den Unternehmens und Lebensberater ihren Klienten gerne geben, wenn sie nach Wegen zum Erfolg gefragt werden. In seiner Formulierung klingt dieser Rat sehr modern. Das Wissen dahinter ist wie sich denken lässt sehr alt. Erfolgreiche, mithin auch Vorbild gebende, Menschen haben ihn seit Jahrhunderten befolgt. Das an Ereignissen reiche Leben des heiligen Liudger kann uns auch dafür Beispiel und Richtschnur sein: Es zeigt, dass es wesentlich ist zu erkennen, was einem wichtig ist und sich nicht zu \"verzetteln\", wie wir heute sagen würden, dass es von Bedeutung ist, sich durch Auszeiten stets neu zu orientieren und dass es überdies wesentlich ist, den rechten Zeitpunkt abwarten zu können. Es wird berichtet, dass Liudger es ablehnte, Bischof von Trier zu werden. Dies ist sicherlich auch als Geste der Demut zu lesen. Getragen war diese Ablehnung aber von dem Wunsch Liudgers, und deshalb für die Mächtigen auch akzeptabel, seinen Lebensplan Wandermissionar zu sein, über die Annehmlichkeiten der Bischofswürde zu stellen. Auch als sich Liudger nach den Rückschlägen bei seinen Missionsbemühungen nach Monte Cassino zurückzog und, wie wir heuten sagen würden, sich eine Auszeit nahm, spürte er auch eine andere Sehnsucht: Er hätte auch gut benediktinischer Mönch werden können. Liudger nutzte diese \"Auszeit\" jedoch zur Orientierung auf seine Lebensaufgabe und zur Sammlung neuer Kräfte, um dann wieder seiner Berufung zu folgen: Durch sein Zeugnis die Menschen für das Evangelium zu gewinnen. Er zögerte dann lange, durch seine Bischofsweihe seinen Missionsgebieten die Struktur eines Bistums zu geben und sie damit der karolingischen Kirchenverwaltung zu unterstellen. Erst als er den rechten Zeitpunkt für gekommen hielt, gab er dem Erzbischof von Köln und dem Kaiser nach und ließ sich zum Bischof von Münster weihen.
    Wissen was wichtig ist, sich Zeit nehmen und den rechten Zeitpunkt wählen. Diese Grundhaltung Liudgers wird u.a. in einer niederländischen Lebensbeschreibung auf den Punkt gebracht: Die Handschrift aus dem 15. Jahrhundert berichtet, dass Karl der Große Liudger durch einen Boten zu sich bitten ließ. Liudger befand sich aber gerade im Gebet und ließ dem Kaiser mitteilen, dass er kommen würde, sobald er seine Gebete beendet habe. Darauf schickte Karl den Boten erneut mit dem Befehl Liudger möge sich unverzüglich bei ihm einfinden. Wieder antwortete Liudger, dass er erst sein Gebet beenden werde und dann vor dem Kaiser erscheine. Auch ein dritter, strenger Befehl des Kaisers ergab dieselbe Antwort. Schließlich vor dem Kaiser erschienen, erklärte er diesem, dass er nur so seinen Pflichten gegenüber dem Kaiser wirklich nachkommen könne.[1: Die mittelniederländische Handschrift ist abgedruckt und übersetzt in Josef Alfers Hrsg.: Mit Liudger auf dem Lebensweg. Münster 2009.]
    Heute kann uns diese Begebenheit Beispiel dafür sein, dass wir uns nicht abhalten lassen von unserem Tun, das wir für richtig und wichtig erkannt haben, auch und gerade dann, wenn es Zeiten der Ausrichtung auf Gott sind. Und für die verbleibenden Tage der Fastenzeit kann dieser Bericht aus dem Leben unseres Heiligen ein Impuls sein: Alles hat seine Zeit, finden und nutzen wir sie.
    Zu dieser Grundhaltung passt die Darstellung des heiligen Liudger als Wandermissionar mit Wanderstab von einem niederländischen Künstler Skulptur im Privatbesitz Fam. Schütz, Foto CSL: Ohne bischöfliche Insignien, als einfacher Wanderprediger, doch gesammelt, konzentriert und mit dem Blick für das Wesentliche.

    Gesamtes Dokument lesen »