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(61) Sansibar und der kleine Koenig
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Kategorie: Literatur/Texte/Lyrik
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| Autor: | |
| Thema: | Biografie/Sachtext/Kritik |
| Lizenz: | Public Domain (nicht urheberrechtlich geschützt) |
Textauszug aus diesem Dokument
Die Überfahrt mit dem Schnellboot dauert knapp zwei Stunden und auf dem Weg dorthin sind viele kleine Inseln im tiefblauen oder türkisfarbenen Indischen Ozean zu sehen manche nur weißer Sand, manche auch mit Palmen und Urwald drauf. Stone Town hat ein paar sehr prachtvolle alte Gebäude aus der Zeit der Perser und der Sultane von Oman, sowie eine christliche Kirche, islamische Moscheen und einen indischen Tempel, alle dicht beieinander. Die meisten Häuser sind ziemlich heruntergekommen durch die feuchte salzige Luft und die Armut der Menschen. Morgens um halb fünf und dann auch tagsüber noch ein paar Mal jodelt der Muezzin. Die meisten Frauen sind verschleiert, manche haben einen Seeschlitz, die anderen tragen nur ein Kopftuch und ein langes Kleid Es gibt eine Reihe von Indern und Inderinnen, die meist sehr schön gekleidet sind, sie sind fast immer Händler oder Hotelbesitzer. Viele Leute haben einen persischen Einschlag, aber die meisten sind schwarz.
R Muslimische Frauen dürfen nicht Rad fahren, dürfen nicht baden. Sie dürfen nicht in die Kneipe, keine eigene Geschäftstätigkeit ausüben. Was sie dürfen und tun blieb immer für uns im Dunklen, auch die Frage, ob sie glücklich oder unglücklich sind. Bis zu 4 Frauen darf ein Mann haben, umgekehrt wärs logischer. Im Park habe ich sie gesehen, ein Mann führte seine Familie mit Frauen und Kindern aus, schritt einsam an der Spitze würdevoll dahin und hinter ihm, lustig und schnattern wie die Gänse, sein Anhang.
M Unser TemboHotel war prachtvoll und überladen mit alten arabischen Möbeln und Lampen, über jedem Bett ein Moskitonetz, und es hatte das schönste Badezimmer, das ich je gesehen hatte: eine Sitzbadewanne im Fußboden mit Stufen aus kleinen blaugoldweißen Kacheln, die Armaturen waren aus verschnörkeltem Messing. Das Tembo diente bis zum Ende der Kolonialzeit als Palast des britischen Gouverneurs. Das Essen war vorzüglich, sehr viel frischer Fisch und Seegetier, intensiv und sehr fremdartig gewürzt und mit Cocosmilch gekocht. Leider bekam man weder Wein noch Bier, nur Wasser und Limo. Es war verboten, Alkohol zu trinken, auch auf den Zimmern.
R Am Sonntag morgen vor Sonnenaufgang Geschrei am Strand. Ein Vorsänger brüllt eine Strophe, der Chor der Männer fällt ein. Rau, laut, kräftig. Dann wieder der Vorsänger. Rhythmischer Wechselgesang. Es waren Fischer, die ein Boot mit ihrem hauruck aus dem Wasser zogen.
Die Insel ist landwirtschaftlich intensiv genutzt und überall sehr grün. Es gibt herrliche weiß gesäumte Strände und Korallenriffe, wo man tauchen und schnorcheln kann. Wir hatten nicht den Eindruck, dass Ausländer abgelehnt werden, fühlten uns eher von den Verkäufern und Fremdenführern verfolgt. Nur dass einige weiße Frauen es nicht lassen können, mit kurzen Hosen und Top durch die engen Gassen zu laufen, kann ich nicht begreifen.
Natürlich musste ich seiner Exzellenz, dem Vizepräsident der kleinen Insel meine Referenz erweisen, dem kleinen Mann, der sich wie der König von Timbuktu gerierte. Ihn zu betreuen war eine meiner Aufgaben während der Vorbereitung auf den Auslandseinsatz in Deutschland Frühjahr 2003. Die FES hatte ihn eingeladen zu einer AfrikaWoche zusammen mit anderen Führern des Kontinents. Es waren wirkliche Könige und Präsidenten darunter, einzig ER hatte verlangt, samt Frau und Hofstaat inklusive Leibwächter reisen zu müssen. Wir konnten ihn auf 7 Begleitpersonen herunterhandeln und Kostenbeteiligung. Sansibar war nun wirklich nicht das relevanteste Land, wenn auch eine sehr interessante Insel. Politisch gehörte sie seit 1964 zu Tansania, war recht eigenständig geblieben, hatte eine lange Geschichte der Okkupation durch die Sultane von Oman, die zeitweise ihren Regierungssitz auf die weit entfernte Insel verlegten. Kein Wunder, denn die Insel war wunderschön, muslimisch dominiert und reich an gefragten Gewürzen.
Auf dieser Insel war ER politisch der 2 Mann und da der Präsident von Sansibar nach der Verfassung automatisch Vizepräsident von Tansania ist, war unser Gast als Vize des Vize hochrangig eingestuft. Berlin, seine erste Station, stellte zwei Verfassungsschützer, jung, dynamisch, eloquent und sprachgewandt, sichtbar bewaffnet unter ihren flotten Jacketts als Begleitung. Die standen vor dem VIPEmpfang, wir mussten zum Empfang an das Flugzeug und rollten den roten Teppich aus. Er war in der Schweiz in eine kleine Linienmaschine umgestiegen, die landete, alle Türen blieben geschlossen, der Copilot kam zu uns, fragte, wer der Leiter sei und übergab mir eine Tasche voll mit Pistolen. Dann erst durfte unsere Delegation aussteigen, danach die Passagiere. Bullige Bodyguards umgaben ihn, eine weibliche Jane Bond deckte seine Frau. Was sollte ich mit den Waffen tun?
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R Muslimische Frauen dürfen nicht Rad fahren, dürfen nicht baden. Sie dürfen nicht in die Kneipe, keine eigene Geschäftstätigkeit ausüben. Was sie dürfen und tun blieb immer für uns im Dunklen, auch die Frage, ob sie glücklich oder unglücklich sind. Bis zu 4 Frauen darf ein Mann haben, umgekehrt wärs logischer. Im Park habe ich sie gesehen, ein Mann führte seine Familie mit Frauen und Kindern aus, schritt einsam an der Spitze würdevoll dahin und hinter ihm, lustig und schnattern wie die Gänse, sein Anhang.
M Unser TemboHotel war prachtvoll und überladen mit alten arabischen Möbeln und Lampen, über jedem Bett ein Moskitonetz, und es hatte das schönste Badezimmer, das ich je gesehen hatte: eine Sitzbadewanne im Fußboden mit Stufen aus kleinen blaugoldweißen Kacheln, die Armaturen waren aus verschnörkeltem Messing. Das Tembo diente bis zum Ende der Kolonialzeit als Palast des britischen Gouverneurs. Das Essen war vorzüglich, sehr viel frischer Fisch und Seegetier, intensiv und sehr fremdartig gewürzt und mit Cocosmilch gekocht. Leider bekam man weder Wein noch Bier, nur Wasser und Limo. Es war verboten, Alkohol zu trinken, auch auf den Zimmern.
R Am Sonntag morgen vor Sonnenaufgang Geschrei am Strand. Ein Vorsänger brüllt eine Strophe, der Chor der Männer fällt ein. Rau, laut, kräftig. Dann wieder der Vorsänger. Rhythmischer Wechselgesang. Es waren Fischer, die ein Boot mit ihrem hauruck aus dem Wasser zogen.
Die Insel ist landwirtschaftlich intensiv genutzt und überall sehr grün. Es gibt herrliche weiß gesäumte Strände und Korallenriffe, wo man tauchen und schnorcheln kann. Wir hatten nicht den Eindruck, dass Ausländer abgelehnt werden, fühlten uns eher von den Verkäufern und Fremdenführern verfolgt. Nur dass einige weiße Frauen es nicht lassen können, mit kurzen Hosen und Top durch die engen Gassen zu laufen, kann ich nicht begreifen.
Natürlich musste ich seiner Exzellenz, dem Vizepräsident der kleinen Insel meine Referenz erweisen, dem kleinen Mann, der sich wie der König von Timbuktu gerierte. Ihn zu betreuen war eine meiner Aufgaben während der Vorbereitung auf den Auslandseinsatz in Deutschland Frühjahr 2003. Die FES hatte ihn eingeladen zu einer AfrikaWoche zusammen mit anderen Führern des Kontinents. Es waren wirkliche Könige und Präsidenten darunter, einzig ER hatte verlangt, samt Frau und Hofstaat inklusive Leibwächter reisen zu müssen. Wir konnten ihn auf 7 Begleitpersonen herunterhandeln und Kostenbeteiligung. Sansibar war nun wirklich nicht das relevanteste Land, wenn auch eine sehr interessante Insel. Politisch gehörte sie seit 1964 zu Tansania, war recht eigenständig geblieben, hatte eine lange Geschichte der Okkupation durch die Sultane von Oman, die zeitweise ihren Regierungssitz auf die weit entfernte Insel verlegten. Kein Wunder, denn die Insel war wunderschön, muslimisch dominiert und reich an gefragten Gewürzen.
Auf dieser Insel war ER politisch der 2 Mann und da der Präsident von Sansibar nach der Verfassung automatisch Vizepräsident von Tansania ist, war unser Gast als Vize des Vize hochrangig eingestuft. Berlin, seine erste Station, stellte zwei Verfassungsschützer, jung, dynamisch, eloquent und sprachgewandt, sichtbar bewaffnet unter ihren flotten Jacketts als Begleitung. Die standen vor dem VIPEmpfang, wir mussten zum Empfang an das Flugzeug und rollten den roten Teppich aus. Er war in der Schweiz in eine kleine Linienmaschine umgestiegen, die landete, alle Türen blieben geschlossen, der Copilot kam zu uns, fragte, wer der Leiter sei und übergab mir eine Tasche voll mit Pistolen. Dann erst durfte unsere Delegation aussteigen, danach die Passagiere. Bullige Bodyguards umgaben ihn, eine weibliche Jane Bond deckte seine Frau. Was sollte ich mit den Waffen tun?
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