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LEHRZEITEN Viertes Kapitel aus dem Roman
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Themen: spiel ebook ebooks ipad e-book casino mord Kategorie: Literatur/Texte/Lyrik
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| Autor: | |
| Veröffentlicht: | Oktober 2011 |
| Art des Textes: | Roman/Epos |
| Thema: | Roman |
| Lizenz: | Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung |
Textauszug aus diesem Dokument
[Viertes Kapitel Lehrzeiten] Nach einer wahren Geschichte. Sorgfältig recherchiert, ausführlich aufbereitet und psychologisch analysiert. Nicht nur zur Erbauung, auch zur Ermahnung betroffener Personen. Seite 3
[Aus meinem Roman TREUFLEISCH] Lehrzeiten Meine Lehre über die fein abgestuften Instanzen des Terrors der Erziehung zur Erlangung der notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse, die nun mal zum Broterwerb erforderlich sind, hat mich nicht nur zur inneren Freiheit, sondern auch zur Unabhängigkeit geführt. Wir dürfen nie vergessen, dass moralische Bildung ein harter Weg ist, auf dem viele Gefahren lauern. Paul van Cre 1968 Im Herbst 1968, unmittelbar nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Fachverkäufer für exquisite Damen und Herrenoberbekleidung, stand der junge Paul van Cre vor schweren Entscheidungen. Sollte er sein weiteres Leben als dienstbeflissener und ordentlich fassonbeschnittener und rechtsgescheitelter Experte für Seite 4
[Viertes Kapitel Lehrzeiten] feine Stoffe, Krawatten und bügelfreien NyltestOberhemden mit eingesticktem schwarzem Röschen, im ersten Stockwerks eines renommierten Sindelfinger Bekleidungshauses mit Ausblick auf den Marktplatz und dessen beschränkten Perspektiven fristen, als AushilfsDiskJockey in einer Kneipe mit dem Namen Pferdestall weiterhin weibliche Friseurlehrlinge zureiten, oder sein Glück woanders, weit weg, in der unbarmherzigen Wildnis der Grossstadt suchen? Einerseits war er aus praktischen Erwägungen geneigt, dem heftigen Drängen des fesch gelockten Juniorchefs nachzugeben, der den bezeichnenden Namen Arthur Artschi Fickert, mit Betonung auf das t am Schluss des Nachnamens trug. Da dieser ihm zwar hin und wieder unauffällig fünf Mark zusteckte und einen roten Mercedes mit Weissbandreifen fuhr, jedoch konventionell und den äusseren Schein wahrend an eine unentwegt Seite 5
[Aus meinem Roman TREUFLEISCH] grünen Obstlikör süffelnde, in dem sie gern ein Kandiszuckerstücken, oder falls keines vorhanden, auch mal ein SchmerzTablettchen wegen dem besseren Geschmack wie sie gern sagte, aber mangels fehlendem ehelichem Körperkontakt und alternativen Möglichkeiten frustrierten Ehefrau, sowie wachsamen Schwiegereltern, den Gründern des Bekleidungshauses gebunden war, erschien Paul eine langfristig ausgelegte Karriere in besagtem Unternehmen als wenig erfolgversprechend. Dazu kam, dass sein Vorgesetzter ein bekennendes Mitglied der Zeugen Jehovas war. Paul dachte: Arsch lecken, denn von klerikalen Kreisen hatte Paul bis auf Weiteres gehörig die Schnauze voll. Auch Pauls kurze Affäre mit seiner fünf Jahre älteren Ausbilderin Marlies MM Machner, die unglücklicherweise mit einem rotgesichtigen und einem damals nagelneuen Ford Capri rot fahrenden Metzger verheiratet war, Seite 6
[Viertes Kapitel Lehrzeiten] scheiterte nicht aus Liebesgründen, sondern wegen einer Verkettung von Missverständnissen in Zeit und Raum. Zwar hatte seine Ausbilderin zur Schulung und Förderung des Auszubildenden einen diskreten Ort unter dem Spitzdach des Bekleidungshauses, unter dem normalerweise eine Vielzahl von braunen, grauen, und gräulichen Herrenanzügen der vergangenen Saison gelagert wurden, auserkoren. Für einen vielbeschäftigten Lehrling war das eine bequeme Ruhestätte, denn Paul hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, nur das Teuerste und Beste auszuwählen. Zu diesem Zweck wurden keine ach und auch keine neun, sondern genau abgezählt zehn Herrenanzüge sorgfältig auf den Dielen des Dachbodens ausgebreitet, und eine bequeme Unterlage für ein kurzes Vormittagsnickerchen des Lehrlings war geschaffen. Bei einem Kontrollgang hatte Marlies Marschner den schlafenden Paul entdeckt und ihn zur Rede gestellt. Erbost Seite 7
[Aus meinem Roman TREUFLEISCH] über dem Ertappten stehend wollte sie ihm die Leviten lesen. Der halbwache Paul verfing sich beim hastigen aufrichten in ihrem Rock, der der doppelten Belastung nicht gewachsen war. Befreit vom grauen Rock stand Marlies Marschner im weißen Hüftgürtel und hautfarbenen Strümpfen da, und Paul hatte seinen Kopf zwischen ihren Beinen. Mit einem Seufzer ergriff sie Paul beim Schopf, und zwischen gut abgehangenen Herrenanzügen nahm die Affäre ihren Anfang. Schon nach wenigen Tagen fiel nicht nur dem Juniorchef des Unternehmens, sondern auch den Inhabern auf, dass die blonde Mitarbeiterin nicht nur in ruhigen Geschäftslagen, sondern auch zur Hauptstoßzeit immer wieder in Richtung des Dachbodens verschwand, vorgeblich um die Warenbestände zu kontrollieren. Gleichzeitig war der hübsche Lehrling unauffindbar und die besten Herrenanzüge hatten Knitterfalten an nicht üblichen Stellen, was zu unangenehmen Fragen und Seite 8
[Viertes Kapitel Lehrzeiten] Verdächtigungen führen musste. Der Not gehorchend und wegen verschmutzter Herrenanzüge in Größe 26 aus schottischem Tweed, die eigentlich für den Sindelfinger Bürgermeister reserviert waren, musste ein anderer Ort gefunden werden. Eines...
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[Aus meinem Roman TREUFLEISCH] Lehrzeiten Meine Lehre über die fein abgestuften Instanzen des Terrors der Erziehung zur Erlangung der notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse, die nun mal zum Broterwerb erforderlich sind, hat mich nicht nur zur inneren Freiheit, sondern auch zur Unabhängigkeit geführt. Wir dürfen nie vergessen, dass moralische Bildung ein harter Weg ist, auf dem viele Gefahren lauern. Paul van Cre 1968 Im Herbst 1968, unmittelbar nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Fachverkäufer für exquisite Damen und Herrenoberbekleidung, stand der junge Paul van Cre vor schweren Entscheidungen. Sollte er sein weiteres Leben als dienstbeflissener und ordentlich fassonbeschnittener und rechtsgescheitelter Experte für Seite 4
[Viertes Kapitel Lehrzeiten] feine Stoffe, Krawatten und bügelfreien NyltestOberhemden mit eingesticktem schwarzem Röschen, im ersten Stockwerks eines renommierten Sindelfinger Bekleidungshauses mit Ausblick auf den Marktplatz und dessen beschränkten Perspektiven fristen, als AushilfsDiskJockey in einer Kneipe mit dem Namen Pferdestall weiterhin weibliche Friseurlehrlinge zureiten, oder sein Glück woanders, weit weg, in der unbarmherzigen Wildnis der Grossstadt suchen? Einerseits war er aus praktischen Erwägungen geneigt, dem heftigen Drängen des fesch gelockten Juniorchefs nachzugeben, der den bezeichnenden Namen Arthur Artschi Fickert, mit Betonung auf das t am Schluss des Nachnamens trug. Da dieser ihm zwar hin und wieder unauffällig fünf Mark zusteckte und einen roten Mercedes mit Weissbandreifen fuhr, jedoch konventionell und den äusseren Schein wahrend an eine unentwegt Seite 5
[Aus meinem Roman TREUFLEISCH] grünen Obstlikör süffelnde, in dem sie gern ein Kandiszuckerstücken, oder falls keines vorhanden, auch mal ein SchmerzTablettchen wegen dem besseren Geschmack wie sie gern sagte, aber mangels fehlendem ehelichem Körperkontakt und alternativen Möglichkeiten frustrierten Ehefrau, sowie wachsamen Schwiegereltern, den Gründern des Bekleidungshauses gebunden war, erschien Paul eine langfristig ausgelegte Karriere in besagtem Unternehmen als wenig erfolgversprechend. Dazu kam, dass sein Vorgesetzter ein bekennendes Mitglied der Zeugen Jehovas war. Paul dachte: Arsch lecken, denn von klerikalen Kreisen hatte Paul bis auf Weiteres gehörig die Schnauze voll. Auch Pauls kurze Affäre mit seiner fünf Jahre älteren Ausbilderin Marlies MM Machner, die unglücklicherweise mit einem rotgesichtigen und einem damals nagelneuen Ford Capri rot fahrenden Metzger verheiratet war, Seite 6
[Viertes Kapitel Lehrzeiten] scheiterte nicht aus Liebesgründen, sondern wegen einer Verkettung von Missverständnissen in Zeit und Raum. Zwar hatte seine Ausbilderin zur Schulung und Förderung des Auszubildenden einen diskreten Ort unter dem Spitzdach des Bekleidungshauses, unter dem normalerweise eine Vielzahl von braunen, grauen, und gräulichen Herrenanzügen der vergangenen Saison gelagert wurden, auserkoren. Für einen vielbeschäftigten Lehrling war das eine bequeme Ruhestätte, denn Paul hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, nur das Teuerste und Beste auszuwählen. Zu diesem Zweck wurden keine ach und auch keine neun, sondern genau abgezählt zehn Herrenanzüge sorgfältig auf den Dielen des Dachbodens ausgebreitet, und eine bequeme Unterlage für ein kurzes Vormittagsnickerchen des Lehrlings war geschaffen. Bei einem Kontrollgang hatte Marlies Marschner den schlafenden Paul entdeckt und ihn zur Rede gestellt. Erbost Seite 7
[Aus meinem Roman TREUFLEISCH] über dem Ertappten stehend wollte sie ihm die Leviten lesen. Der halbwache Paul verfing sich beim hastigen aufrichten in ihrem Rock, der der doppelten Belastung nicht gewachsen war. Befreit vom grauen Rock stand Marlies Marschner im weißen Hüftgürtel und hautfarbenen Strümpfen da, und Paul hatte seinen Kopf zwischen ihren Beinen. Mit einem Seufzer ergriff sie Paul beim Schopf, und zwischen gut abgehangenen Herrenanzügen nahm die Affäre ihren Anfang. Schon nach wenigen Tagen fiel nicht nur dem Juniorchef des Unternehmens, sondern auch den Inhabern auf, dass die blonde Mitarbeiterin nicht nur in ruhigen Geschäftslagen, sondern auch zur Hauptstoßzeit immer wieder in Richtung des Dachbodens verschwand, vorgeblich um die Warenbestände zu kontrollieren. Gleichzeitig war der hübsche Lehrling unauffindbar und die besten Herrenanzüge hatten Knitterfalten an nicht üblichen Stellen, was zu unangenehmen Fragen und Seite 8
[Viertes Kapitel Lehrzeiten] Verdächtigungen führen musste. Der Not gehorchend und wegen verschmutzter Herrenanzüge in Größe 26 aus schottischem Tweed, die eigentlich für den Sindelfinger Bürgermeister reserviert waren, musste ein anderer Ort gefunden werden. Eines...
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