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191Wenzel

PDF Dokument, ca. 5.582 Wörter

Themen: rezension heinz Kategorie: Broschüren/Publikationen

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Veröffentlicht:September 2006
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    UTOPIE kreativ, H. 191 September 2006, S. 811822811SIEGFRIEDWENZELSozialismus des 21. Jahrhunderts?Das AnliegenDas Erscheinen des Buches von Heinz Dieterich Der Sozialismusdes 21. Jahrhunderts. Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie nach1dem globalen Kapitalismushat in der kurzen Zeitspanne seit seinem Erscheinen große Beachtung gefunden und teilweise euphorische Einschätzungen sehr verschiedener Persönlichkeiten ausgelöst.Nach dem Scheitern des ersten großen Versuchs der Schaffung einer von Marx ausgehenden alternativen sozialistischen Gesellschaftsund Wirtschaftsordnung in Europa und der Sowjetunion sind dieKräfte und Strömungen, die eine solche, zur vorherrschenden marktwirtschaftlichen Ordnung alternative Entwicklung anstreben, überZiel und Wege dahin zutiefst verunsichert und zersplittert. Es herrschteine weit verbreitete Orientierungslosigkeit. Die Wege Chinas, Vietnams und Kubas werden häufig als nicht alternativsozialistisch einSiegfried Wenzel Jg. 1929,Diplomökonom, studiertegeschätzt; eher als eine Entwicklung, die ebenso scheitern müsse,Volks und Betriebswirtwie das sowjetische Modell oder sie würden sich in die marktwirtschaft an der Universitätschaftlichkapitalistische Ordnung einordnen. Mit dem Buch vonLeipzig, arbeitete in derDieterich liegt der Versuch vor, die Grundzüge, Struktur und ChaLeitung der Bäuerlichenrakteristika einer neuen alternativen Gesellschafts und WirtschaftsHandelsgenossenschaftordnung heraus zu arbeiten. Er baut dabei auf Ideen und einem Konsowie der Staatlichen Plankommission der DDR,zept von Arno Peters, einem ausgewiesenen Historiker,und Konradzuletzt als Stellvertreter desZuse, dem Erfinder der ersten betriebsfähigen, vollautomatischenVorsitzenden verantwortlichRechenanlage auf, die in dem im Jahre 2000 veröffentlichten Buchfür volkswirtschaftlicheComputerSozialismus dargelegt sind und entwickelt sie weiter.Gesamtrechnung, warDie Konzeption von Dieterich geht in Übereinstimmung mit PetersMitglied der Regierungsvon drei grundlegenden Annahmen aus.delegation zur VorbereitungErstens:Die bürgerliche Gesellschaft und mit ihr die marktwirtder Währungsunion BRD DDR, publizierte vor allemschaftlichkapitalistische Wirtschaftsordnung ist in ihrer Endphasezur Wirtschaftsgeschichteangekommen. Er schreibt: Die Menschheit hat sich seit ihrer Entder DDR, u. a. Was warstehung bis vor etwa 5000 Jahren unter den Prinzipien der bedarfsdie DDR wert? und Wasdeckenden Lokalwirtschaft, des intuitiv äquivalenten Produktenauskostet die Wiedervereinitausches und der Solidargemeinschaft reproduziert und organisiert.gung? 2003. ZuletztDann brach die durch privates Bereicherungsstreben gekennzeichinUTOPIE kreativ:Erfahnete Marktwirtschaft in die zivilisatorische Entwicklung ein und zerrungen aus dem erstenSozialismusversuch instörte die Prinzipien solidarischer Bande, wertgleichen GüteraustauEuropa, Heft 133,sches und gebrauchswertorientierter Arbeit und Produktion. SeitdemNovember 2001.lebt die Gattung unter der privaten Tyrannei der Produktionsmitteleigner und ihrer repressiven Staatsapparate in hierarchischen und2antidemokratischen Klassengesellschaften.Es wird der Begriffdes1Heinz Dieterich: Derhistorischen Projektes eingeführt und als die treibende Kraft derSozialismus des 21. Jahr
    812WENZELSozialismushunderts, Kai HomiliusGeschichte bezeichnet. Dieterich knüpft, gestützt auf Peters umVerlag Berlin 2006.fangreiche historische Arbeiten, an die Analyse des bestehenden kapitalistischen Systems durch Marx an und begründet anhand der seit2Ebenda, S. 21.dieser Zeit gesammelten Erfahrungen und wirksam gewordenenneuen Entwicklungen politischen, ökonomischen und wissenschaftlichtechnischen Charakters anhand vieler Fakten eindrucksvoll dieNotwendigkeit der Ablösung dieses Systems, wenn der Absturz derMenschheit in die Barbarei verhindert werden soll.Als Kern des historischen Projektes der marktbestimmten, späterkapitalistischen Gesellschaft wird der nichtäquivalente Austauschhervorgehoben als die entscheidende Quelle der bestehenden ökonomischen und sozialen Ungerechtigkeit, der Spaltung der Gesellschaftin Arm und Reich sowohl im nationalen als auch im internationalenRahmen, der bedrohlichen Vernutzung der ökologischen Ressourcendieser Erde und damit der menschlichen Existenz.Zweitens:Diese Situation erfordert nach Peters und Dieterich denÜbergang zu einem neuen, postkapitalistischen Projekt: Der nichtäquivalente Austausch müsse durch das Prinzip der Äquivalenz ersetzt werden. Dieses Konzept geht davon aus, dass die Äquivalenzfür die Wirtschaft die Gleichwertigkeit jener Güter und Leistungenbedeutet, die in der arbeitsteiligen Welt ausgetauscht werden, alsodie vollkommene Entsprechung von Leistung und Gegenleistung,von Wert und Preis.
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